Was ist die Bibel?

Unter allen Büchern, die weltweit erscheinen, ist die Bibel das am häufigsten veröffentlichte und meistgelesene Buch. Als wahres literarisches Monument wurde sie unzählige Male kommentiert und inspiriert seit Jahrhunderten Schriftsteller, Musiker, Maler und Bildhauer.

Für das Judentum und das Christentum besitzt die Bibel einen besonderen Stellenwert, da sie als grundlegendes Glaubensdokument angesehen wird.

Eine große Bibliothek

Etymologisch stammt das Wort Bibel vom griechischen ta biblia und bedeutet „die Bücher“. Tatsächlich ist die Bibel eine Sammlung zahlreicher Schriften aus unterschiedlichen Epochen und von verschiedenen Autoren. In ihr begegnen sich vielfältige literarische Gattungen: Erzählungen, Gesetzestexte, Epen, Gedichte, prophetische Orakel, Weisheitsliteratur, Briefe, Evangelien, Apokalypsen und weitere Texte. Die Entstehungsgeschichte dieser Schriften ist Gegenstand zahlreicher historischer und archäologischer Forschungen.

Die biblischen Schriften sind das Ergebnis eines langen Prozesses des Erinnerns, der Überarbeitung und der schöpferischen Gestaltung. Ihre Verfasser griffen auf unterschiedliche mündliche und schriftliche Quellen zurück. Das Besondere der biblischen Texte besteht jedoch darin, dass sie persönliche und gemeinschaftliche Erfahrungen des Menschseins aus der Beziehung ihrer Autoren zu Gott heraus deuten. Sie suchen nach den Spuren Gottes, erkennen seine Gegenwart oder bringen seine als schmerzlich empfundene Abwesenheit zur Sprache.

Grundlegende Schriften

Für Juden und Christen ist die Bibel ein grundlegendes und maßgebliches Buch des Glaubens. In der persönlichen wie auch in der gemeinschaftlichen Lektüre, insbesondere in den Gottesdiensten, begegnen sie darin dem Wort Gottes. Die Bibel hat unzählige Kommentare hervorgebracht; ihre Texte werden bis heute erforscht und diskutiert.

Während Christen allen biblischen Büchern gleichermaßen Bedeutung beimessen, messen Juden den ersten fünf Büchern (der Tora) eine besondere Autorität bei. Dabei ist zu beachten, dass die schriftliche Tora untrennbar mit der mündlichen Tora verbunden ist, welche verschiedene Auslegungstraditionen umfasst.

Mehrere Bibeln

Die biblischen Bücher, deren Abfassung sich über viele Jahrhunderte erstreckte, existierten zunächst überwiegend als einzelne Schriften. Erst später wurden sie zu Sammlungen zusammengefasst, deren Umfang sich bei Juden sowie bei den verschiedenen christlichen Traditionen (Protestanten, Katholiken und Orthodoxen) unterschiedlich entwickelte.

Die verschiedenen Bibelausgaben enthalten zahlreiche gemeinsame Schriften. Dennoch sind nicht alle Bibeln identisch: Sie unterscheiden sich sowohl in der Auswahl der aufgenommenen Bücher als auch in deren Anordnung, was auf den ersten Blick verwirrend erscheinen kann. Der Inhalt der einzelnen Texte hingegen weicht – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nur geringfügig voneinander ab.

Die Hebräische Bibel

Die jüdischen Autoritäten übernahmen ausschließlich die auf Hebräisch verfassten Schriften; ihre Sammlung wird als Hebräische Bibel bezeichnet.

Erst gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr., nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70, sahen sich die jüdischen Autoritäten veranlasst, ihre Heiligen Schriften eindeutig abzugrenzen und sie sowohl gegenüber den Schriften der griechischsprachigen jüdischen Diaspora als auch gegenüber den Texten der frühen Christen zu schützen. In diesem Zusammenhang wurde der Kanon der Hebräischen Bibel festgelegt. Die genauen Umstände dieser Kanonbildung sind jedoch bis heute unter Historikern umstritten.

Die Septuaginta

Ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. begannen die in Alexandria lebenden Juden der Diaspora, ihre Heiligen Schriften ins Griechische zu übersetzen, das ihre Alltagssprache geworden war. Zugleich nahmen sie weitere Schriften in diese Sammlung auf, die später als deuterokanonische oder apokryphe Bücher bezeichnet wurden.

Diese Sammlung erhielt den Namen Septuaginta – nach der Überlieferung, wonach die griechische Übersetzung der Hebräischen Bibel von siebzig beziehungsweise zweiundsiebzig Gelehrten angefertigt worden sei. Sie unterscheidet sich von der Hebräischen Bibel nicht nur hinsichtlich der Zahl der aufgenommenen Bücher, sondern auch hinsichtlich ihrer Sprache und ihrer Anordnung.

Wahrscheinlich geht die heutige Gliederung der Bücher der Septuaginta auf die Christen zurück, die diese Übersetzung in den ersten Jahrhunderten der Kirche verwendeten. Bis heute ist die Septuaginta die Bibel der orthodoxen Kirchen des Ostens.

Die christlichen Bibeln

In den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung verwendeten Juden und Christen dieselben Heiligen Schriften. Bereits im Laufe des 1. Jahrhunderts fügten die Christen jedoch weitere, in griechischer Sprache verfasste Schriften hinzu: Berichte über das Leben Jesu Christi (die Evangelien) sowie Briefe und andere Schriften, die das Leben und den Glauben der entstehenden christlichen Gemeinden widerspiegeln.

Diese Texte entstanden insbesondere aus einer neuen Auslegung der jüdischen Heiligen Schriften im Licht des Glaubens an Jesus Christus.

Für diese christliche Bibel, deren Kanon im 4. Jahrhundert n. Chr. festgelegt wurde, setzte sich rückblickend die Bezeichnung Altes Testament für die Schriften der Hebräischen Bibel und der Septuaginta sowie Neues Testament für jene Schriften durch, die den christlichen Glauben bezeugen (Evangelien, Briefe und weitere christliche Schriften).

Die deuterokanonischen oder apokryphen Bücher

Der größte Teil des Alten Testaments ist Juden und Christen gemeinsam, denn auch die Christen erkennen die neununddreißig Bücher der Hebräischen Bibel als kanonisch an.

Darüber hinaus nehmen die katholischen und die orthodoxen Kirchen weitere Bücher aus der Septuaginta in ihren Kanon auf.

Die katholische Kirche bezeichnet folgende Schriften als deuterokanonisch, das heißt als zum zweiten Kanon gehörig: Judit, Tobit, 1. und 2. Makkabäer, Weisheit, Jesus Sirach, Baruch, den Brief des Jeremia sowie die griechischen Zusätze zu Ester und Daniel.

Die orthodoxen Kirchen erkennen zusätzlich weitere Schriften der Septuaginta an: 3. Esra, 3. und 4. Makkabäer, das Gebet des Manasse sowie Psalm 151.

Die protestantischen Kirchen betrachten diese Schriften hingegen nicht als kanonisch und bezeichnen sie als Apokryphen, ein aus dem Griechischen stammender Begriff mit der Bedeutung „verborgene“ oder „geheime“ Schriften.

Bis ins 19. Jahrhundert waren diese zusätzlichen Bücher jedoch Bestandteil nahezu aller christlichen Bibelausgaben, einschließlich der protestantischen.

Die Übersetzungen

Heute gibt es zahlreiche Übersetzungen der biblischen Schriften. Bereits in der Antike wurden sie in viele verschiedene Sprachen übertragen. Einige dieser Übersetzungen haben für die Geschichte des Judentums und des Christentums eine besondere Bedeutung erlangt.

Zu nennen sind insbesondere die Targumim (aramäische Übersetzungen), die Septuaginta (griechische Übersetzung, entstanden um 250 v. Chr.), die Vulgata (lateinische Übersetzung des heiligen Hieronymus, entstanden zwischen 382 und 405 n. Chr., die über viele Jahrhunderte die maßgebliche Bibel der westlichen Kirchen war) sowie die Peschitta (syrische Übersetzung aus dem 5. Jahrhundert n. Chr.).

Im 16. Jahrhundert wurde die christliche Bibel in großem Umfang in die europäischen Volkssprachen übersetzt. Seit dem 19. Jahrhundert, insbesondere im Zusammenhang mit der Ausbreitung der christlichen Mission, wurde die Bibel erneut in zahlreiche außereuropäische Sprachen übertragen. Einen wesentlichen Beitrag dazu leisteten die neu gegründeten Bibelgesellschaften, während zugleich bereits bestehende Übersetzungen kontinuierlich überarbeitet und verbessert wurden.

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Bibliographie

  • Bücher
    • Bibli'O, TOB – Traduction oecuménique de la Bible, Société biblique française et Éditions du Cerf, Paris, 2010

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