Poitiers
Poitiers nimmt die Reformation an nach dem Aufenthalt von Calvin in dieser Stadt 1534. Seine ersten Predigten soll er in den Kellern der Oberschule Sainte-Marthe (heute Gymnasium) gehalten haben. Es gibt eine sogenannte „Calvin-Höhle“ oder Felsen von Passe-Lourdin, in der Nähe von Saint-Benoît.
Im Schloss von Parc-Soubise wird Calvin von Catherine de Parthenay empfangen (Ruinen in der Nähe von Mouchamps). Evangelische Zentren entwickeln sich in Saint-Maixent, La Mothe-Saint-Héray und Niort.
Im Jahre 1546 wird Guillaume Saunier als Häretiker in Poitiers verbrannt.
Die reformierte Gemeinde von Poitiers war, mit Meaux und Angers eine der ersten, die sich organisiert haben. Schon 1557 wird eine Geschäftsordnung erarbeitet. Im Haus von Jean Beaucé, rue Le Baste, wird entschieden, im Jahre 1559 in Paris die erste nationale Synode abzuhalten.
In Loudon versammelt die protestantische Gemeine fast 30 000 Gläubige. Am 16. November 1659 findet dort eine nationale Synode statt. Die Aufhebung des Ediktes von Nantes löscht den Protestantismus vollständig aus.
Die Kirchen in der Umgebung von Poitiers sind die solidesten reformierten Hochburgen. Zu den ursprünglichen Zentren kommen Chauvigny, La Roche-Posay, Châtellerault, Lusignan, Melle und Pathenay hinzu.
Die grandiosen Ruinen der Abtei von Maillezais erinnern an Rabelais, der dort verweilte. Nachdem die Abtei ein Sicherheitsort der Protestanten geworden ist, ist Agrippa d’Aubigné ihr Gouverneur zwischen 1584 und 1619. Dort schireb d’Aubigné die „ Tragischen“ und die „Universelle Geschichte“.
Coligny wird in Montcontour geschlagen
Im Jahre 1569 belagert Admiral Coligny Poitiers. Der „Felsen von Coligny“ erinnert an den Ort, wo er während der Belagerung seine Batterien aufstellte. 1570 wird er in Montcontour geschlagen.
Im 17. Jahrhundert zählt man etwa 90 000 Protestanten rund um Poitiers, die in drei Kolloquien aufgeteilt sind:
X das Kolloquium des Bas-Poitou ( die heutige Vendée)
X das Kolloquium des Haut-Poitou (rund um Poitiers, Chatellerault, Thouars, Parthenay…)
X und das Kolloquium des Moyen-Poitou (das heutige Deux-Sévres), das die Hälfte des Protestantismus im Poitou versammelt rund um Niort, Melle, Saint-Maixent).
Im Süden von Niort wurde 1639, im Schloss von Olbreuse, Eléonore Desmiers d’Olbreuse geboren, die künftige Gattin des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg, die die verfolgten Hugenotten schützte.
Die Dragonaden im Poitou
Ab 1681 hatte der Poitou unter den Verfolgungen der „gestiefelten Missionare“ zu leiden. Der Intendant des Poitou, Marcillac, lässt durch seine Dragoner die ganze Gegend verwüsten, indem er harte Maßnahmen ergreift, die Hugenotten prügelt und „aufwärmt“. 38 000 schwören ab, andere gehen ins Exil. Marcillac wird abberufen.
1685 beginnen die Dragonaden erneut mit den Truppen des Marquis von Asfeld. Die evangelischen Kirchen werden dem Erdboden gleichgemacht. Der geheime Protestantismus organisiert sich.
Die Versammlungen der „Wüste“ vermehren sich
Sie haben ihre Märtyrer: Jean Migault, ein Grundschullehrer wird in den Turm Saint-Nicolas in La Rochelle eingesperrt. Rund um Mougon wird eine Versammlung von 1 500 Personen im Grand-Ry im Gebet von den Dragonern überrascht, die sie „abschießen wie die Tauben“.
Um 1718 verdoppelt sich der religiöse Eifer. Geheime Versammlungen werden organisiert, man trifft sich auf den Plätzen der zerstörten Kirchen, man feiert Gottesdienste in Häusern ( als Kirche dient die Scheune von Avallon), man beerdigt die Toten in kleinen familiären Friedhöfen. Prediger kommen, um die versteckten Gläubigen zu ermutigen: Jean Chapel im Bas-Poitou 1720 und 1728, Michel Viala 1740, André Migault, Jean-Baptiste Loire, Pierre Gamain.
Kurz vor der Revolution hat der Widerstand im Poitou sich ausgezahlt, der Protestantismus dort bildet noch ein Ganzes im Osten von Niort und bis zur Vienne.
Das Museum des protestantischen Poitou
Es zeigt in Beaussais und La Couarde die Geschichte dieser Region.
Nach der Revolution zählt man noch 30 000 Protestanten in Deux-Sèvres, 3 000 im Osten der Vienne.
Mehrere protestantische Museen bewahren die Erinnerung an die protestantische Geschichte dieser Region.