Martin Luther King ist am 15. Januar 1929 in Atlanta (Georgien) geboren. Er kommt aus der middle-class und erbt den Namen seines Vaters, auch er ein Baptisten Pfarrer. Dieser hatte jenen Namen zu Ehren des deutschen Reformators nach einem Kongress der Welt-Baptisten-Allianz in Berlin 1934 angenommen.
Die Ausbildung von Martin Luther King Junior
Nach einem Soziologiestudium am für die Schwarzen reservierten More House College tritt Martin Luther King in das Theologieseminar von Crozer in Chester (Pennsylvanien) ein. Vor Ende seiner Lizenz in Theologie1951 predigt er in der Baptisten Kirche Ebenezer in Atlanta, da wo schon sein Großvater, Adam Daniel Williams, auch er Sohn eines Pfarrers gewirkt hatte.
1953heiratet er die Tochter eines baptistischen Pfarrers mit der er zwei Mädchen und zwei Jungen haben wird. Er hält seine ersten Predigten im Alter von fünfundzwanzig Jahren in der Dexter Avenue Baptist Church von Montgomery (Alabama) und erhält 1955 seinen Doktor in Theologie an der Universität von Boston. Er fordert alle seine Gläubigen auf, der NAACP (National Association for the Avancement of Colored People) beizutreten, deren Ziel es ist, die Ausschließung und die sozialen Ungerechtigkeiten zu bekämpfen.
Seine ersten nicht gewalttätigen Engagements in Montgomery: der Bus-Boykott
Am 17. Mai 1954 erklärt der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten die Rassentrennung in den Schulen als nicht verfassungsgemäß, was eine Ermutigung darstellt, jegliche Unterwerfung abzulehnen. So weigert sich Rosa Parks, eine schwarze Aktivistin der NAACP, am 1. Dezember 1955 ihren Platz im Bus an einen Weißen abzutreten. Mit dieser Geste begeht sie einen Akt des Ungehorsams und akzeptiert die Folgen ihrer Haltung (Geldstrafe und Gefängnis). Martin Luther King lässt sogleich Flugblätter verteilen, um alle schwarzen Taxifahrer aufzurufen, Mitfahrgelegenheiten zu organisieren, um die Busse zu boykottieren, und bringt damit die Montgomery City Line an den Rand des Ruins; Martin Luther King beginnt daraufhin Verhandlungen mi den weißen Vertretern der Gesellschaft.
Mit sechsundzwanzig Jahren wird er zum Präsidenten der Montgomery Improvement Association (MIA) gewählt, die zum Ziel hat, den Schwarzen dank ausländischer finanzieller Unterstützung zu Hilfe zu kommen. Martin Luther K beginnt seine erste Rede bei dem Treffen, das in der Holt Street Baptist Church organisiert wird, mit den Worten:
„Das Volk hat es satt, in die Tiefen der Erniedrigung gestoßen zu werden“
Montgomery ist seine erste Feuerprobe. 1956 wird auf sein haus ein Bombenanschlag verübt. Seine Kirche wird wenig später in die Luft gesprengt. Er wird verhaftet. Die MIA wird 1956 angeklagt, das Anti-Boykott-Gesetz verletzt zu haben. Sie stellt einen Antrag auf die Nichtverfassungsmäßigkeit dieses Gesetzes der Diskriminierung in den Bussen. Der Oberste Gerichtshof erklärt diese Gesetz als nicht verfassungsgemäß, und die Rassentrennung in den Bussen hört auf. Das ist der erste Erfolg von Martin Luther King in der Erreichung der Bürgerrechte zugunsten der Schwarzen.
Martin Luther King nimmt 1957 an der Gründung der pazifistischen Organisation der Southern Christian Leadership Konferenz (SCLC) teil, deren Präsident er wird. Er fordert das Wahlrecht für alle. Der Direktor des FBI, J. Edgar Hoover, verdächtigt ihn, durch diese Bewegung mit den Kommunisten verbunden zu sein und treibt ihn in die Enge durch einen an seine Frau adressierten entehrenden Brief. Im Jahre 1957 werden Martin Luther King und seine Frau auf brutale Weise geschlagen. Am 19. September 1958, in dem Augenblick, wo der Pfarrer sein Buch „Marsch zur Freiheit“ unterzeichnet, wird er erneut angegriffen, diesmal von einer jungen geisteskranken Schwarzen.
Reise nach Indien auf den Spuren von Ghandi
1958 fährt er nach Paris, nach London, dann nach Indien auf den Spuren von Ghandi und schließlich nach Jerusalem und Kairo. Nach seiner Rückkehr ist er geprägt von dem nicht gewalttätigen Widerstand des Mahatma Ghandi (1869-1948), der zum Vorbild für die Philosophie seines Handelns wird. Seine Techniken sind: die sit-ins, jails-ins, wade-ins und kneel-ins. Bei diesen Aktionen handelt es sich darum, im Sitzen zu demonstrieren, die Gefängnisse zu verstopfen, um die Austritte zu beschleunigen, in jeden Ort der Rassentrennung einzudringen, in den weißen Kirchen niederzuknien. Dann kehrt er 1959 nach Atlanta zurück. Er wird für ein sit-in verhaftet und von John Fitzgerald Kennedy freigelassen, der im November 1960 gerade knapp – dank der Stimme der Schwarzen – zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden war.
Der Kampf in Birmingham
Nach einer 1963 in Birmingham (Alabama) durchgeführten Aktion sät der Ku-Klux-Klan Terror. Am 13. April wird Martin Luther King erneut ins Gefängnis geworfen. Er antwortet in einem Brief an achtzehn gemäßigte Geistliche aller Konfessionen auf deren Vorwurf, ein Unruhestifter, ein outsider zu sein. In diesem Brief „Letter from Birmingham jail“ widerlegt er die Anschuldigungen seiner christlichen und jüdischen Gegner in sieben Punkten:
- Er weist die Anschuldigung, ein „outsider“ zu sein zurück, denn er handelt im Auftrag eines Vereins, der überall in den Vereinigten Staaten Zweigstellen hat.
- Er ist in Birmingham, weil er mit der dort herrschenden Ungerechtigkeit solidarisch ist.
- Wenn er ein Extremist ist, so ist es aus Liebe zu seinem Nächsten, seine Feinde eingeschlossen. War Jesus nicht ein Extremist der Liebe? Die neue Macht, ebenso wie die alte, muss bedrängt werden, um endlich zu handeln. Die Freiheit wird niemals freiwillig gewährt, sie wird von den Unterdrückten entrissen.
- Wir, die Schwarzen, haben über dreihundertvierzig Jahre gewartet, wir können nicht länger warten, denn „wartet“ heißt fast immer „niemals“.
- Die Zeit ist ein Verbündeter der Macht des sozialen Stillstands. Die Völker Asiens und Afrikas schreiten schnell zur politischen Unabhängigkeit vor.
- Die große Mehrheit eurer schwarzen Brüder erstickt in schmutzigen Gefängnissen um dem Gefühl, ein Niemand zu sein.
- Die Ungeduld ist legitim und unvermeidlich.
Für Martin Luther King ist eine laue Duldung ärgerlicher als eine reine und einfache Verweigerung. Die durchgeführte Aktion führt nicht zur Gewalt. Sie bekämpft die Krankheit der Rassentrennung. Sie zeigt angestaute Frustrationen auf, eine versteckte Spannung, die schon existiert.
Dann, nach der Geburt seines vierten Kindes, schreibt Martin Luther King an J.F. Kennedy und lädt ihn ein, sich an die Stelle eines schwarzen Kindes zu setzen, das in Birmingham aufwächst.
„Sie wären in einem Jim Crow- Krankenhaus geboren (Jim Crow ist der Politiker, der eine Trennung zwischen dem freien Norden und dem trennenden Süden erwirkt hat),von Eltern, die zweifelsohne in einem Ghetto leben. Sie wären in einer Jim Crow-Schule eingeschrieben. Sie würden in ihrer Kindheit auf der Straße spielen, denn die „farbigen“ Parks wären absolut ungeeignet…Wenn ihre Familie zur Kirche ginge, gingen Sie in eine schwarze Kirche… Sie würden in einer Stadt wohnen, wo die Brutalität gegenüber den Schwarzen…Sie würden eine allgemeine Atmosphäre der Gewalt finden…“
Er schreibt auch ein Buch mit achtzehn Predigten, das den Titel hat: „Loving your Ennemies“.
Der Marsch auf Washington:“ I have a dream“
Am 22.juni 1963 trifft Martin Luther King Kennedy und marschiert im August nach Washington für die Freiheit und die Arbeit. Dort, vor dem Lincoln-Denkmal im Mason Temple hält er im August seine berühmte, unerhört gewaltige Rede „I have a dream“.
Große Schauspieler stehen ihm zur Seite (Sidney Poitier, Mahalia Jackson, Marlon Brando, Josephine Baker, Joan Baez, Bob Dylan…)um eine Revolution zu begleiten, die das Land durchläuft, das daran krankt, ein einem Augenblick seiner Geschichte den „Neger“ erfunden haben zu müssen.
„ Ich träume davon, dass eines Tages der Sohn ehemaliger Sklaven und die Söhne ehemaliger Gutsbesitzer sich gemeinsam en einen Tisch der Brüderlichkeit setzen können. Ich träume davon, dass meine vier Kinder eines Tages in einem Land leben, wo man sie nicht nach ihrer Hautfarbe beurteilen wird, sondern nach ihrem Charakter…dass wir in jeder Stadt den Tag erleben, wo alle Kinder Gottes… sich an der Hand halten und die Worte des alten schwarzen „Spirituals“ singen können : „Endlich frei, endlich frei. Dem allmächtigen Gott sei Dank, wir sind endlich frei“.
Danach wird Martin Luther King ins Gefängnis geworfen. Er schreibt dort Why We can’t Wait („Warum wir nicht länger warten können“). Präsident Lyndon Johnson beschließt The civil rights Act im Jahre 1964. Martin Luther King verkündet im Fernsehen 1964, wie schon John Fitzgerald Kennedy, dass die Amerikaner in vierzig Jahren einen schwarzen Präsidenten wählen würden, eine Prophezeiung, die sich am 4. November 2008 mit der Wahl von Barack Obama erfüllt hat.
Der „blutige Sonntag“ und der Sieg der Bürgerrechte für die Schwarzen (1965)
Martin Luther King führt mehrere Aufmärsche für die Bürgerrechte an, begleitet von „Negrospirituals“, die zum Ursprung der Sklaverei zurückführen, und begeistert damit die Truppen, indem er sie vereint. Nachdem er 1964 den Friedensnobelpreis erhalten hat, wird er im Dezember gleich nach seiner Rückkehr aus Oslo von Präsident Lyndon Johnsons in das Weiße Haus eingeladen, um über ein großes gesellschaftliches Projekt zu sprechen, aber Martin Luther King besteht nur auf dem Wahlrecht und nimmt seine Protestmärsche wieder auf. Der erste in Selma (Alabama) bringt ihn bis Anfang Februar 1965 ins Gefängnis.
Von Selma nach Montgomery im März beschließt Martin Luther King einen neuen Marsch, der in einem „blutigen Sonntag“ endet. Am 9. März führt er eine Demonstration an, an der Rabbiner, Priester und weiße und schwarze Pfarrer teilnehmen. Zwei Tage später verkündet Präsident Johnson im Fernsehen, dass die Sache der Bürgerrechte gehört wird. Er schließt, indem er eine Redewendung von Matin Luther King aufgreift“ and we shall overcome“ „wir werden siegen“). Martin Luther King versteht, dass er gewonnen hat. Am 3. August 1965 wird der National Civil Rights Act von dem amerikanischen Kongress ratifiziert. Der Kampf der Schwarzen ist die Speerspitze eines Kampfes, der jede benachteiligte Minderheit betrifft.
Der Kampf weitet sich aus zugunsten der von der ökonomischen und politischen Macht Ausgeschlossenen
Die seit zehn Jahren geführten Kämpfe haben kaum die wirtschaftlichen Probleme berührt, die sich den Schwarzen stellen. Martin Luther King entdeckt, dass dreißig Prozent der Schwarzen, die dem Geist und der bewaffneten Aktion des „Black Power“ gegen die Brutalität der Polizei anhängen, arbeitslos sind, eine Quelle für die Unruhen während der heißen Sommer , die auf die langen sehr kalten Winter folgen. Am 10. Juli 1966 heftet Martin Luther King wie Luther, der 1517 seine 95 Thesen auf der Tür der Kirche von Wittenberg anschlug, auf die Tür des Rathauses von Chicago einen Aufruf an alle armen Minderheiten, die Geschäfte und Betriebe zu boykottieren, die ihnen das Recht auf eine Anstellung verweigern. Der zivile Ungehorsam gehört von nun an zu den Waffen von Martin Luther King. Der Bürgermeister von Chicago gibt dem Druck nach und handelt eine Übereinkunft aus, um zahlungsfähigen Familien den Zugang zu Wohnungen ohne Rücksicht auf die Hautfarbe zu erleichtern.
Memphis und die Kampagne für die Armen und Unterdrückten
Die Aktion von Martin Luther King geht schnell über die Grenzen der schwarzen Bevölkerung hinaus und weitet sich 1965 auf Erklärungen gegen die Intensivierung des Vietnamkrieges aus. Er ruft zum Einhalten der Bombardierungen von Nordvietnam auf und spricht zugunsten aller Armen und Unterdrückten. Er hält vor allem eine Aufsehen erregende Rede vor der Union der Automobilgewerkschaften in Kalifornien. Er wird zu dem Mann, den man töten muss.
Im Jahre 1968 wird Martin Luther King von der NAACP aufgerufen, an dem Streik von 1300 schwarzen Müllmännern der Stadt Memphis am Ufer des Mississippi teilzunehmen, die schweigend mit Schildern“ I am a man“ vorbeiziehen, und damit fordern, dass man sie als Menschen anerkennt. Trotz der Todesdrohungen, die er erhält, will Martin Luther King nicht gewalttätig werden. Er stellt sich der Bewegung „Black Power“ entgegen, die viel radikaler ist, von der Art der Aktion von „Malcom X, dem Roten“, der zum Islam konvertiert ist. Für Martin Luther King sind Malcom X und die „Black Power“ Symbole für Gewalt und Hass, die die Schwarzen gegenüber der öffentlichen Gewalt nur in Verruf bringen können.
Die Aktion von Martin Luther King weitet sich schließlich auf alle Armen, Schwarzen, Chicanos, Indianer oder Weiße gegen die weiße Gesellschaft aus, die sich nur um ihre Ruhe und ihren sozialen Status quo sorgt. Nach zahlreichen Todesdrohungen, physischen Aggressionen und Verhaftungen wird der Anführer der Bürgerrechte am 4. April 1968 in Memphis (Tennessee) im Alter von 39 Jahren nach dreizehn Jahren Kampf ermordet. Er hatte gerade seine letzte Rede gehalten:
„Die Massen des Volkes erheben sich überall, sei es in Johannesburg in Südafrika, in Nairobi in Kenia, in Atlanta, in Memphis… Wenn in der ganzen Welt nicht dringend etwas getan wird… geht die ganze Welt zugrunde. Etwas passiert gerade in Memphis…Ich fordere euch heute Abend auf, eure Nachbarn aufzusuchen, um ihnen zu sagen, kein Coca-Cola mehr zu kaufen… eure Ersparnisse von den Banken abzuziehen, um sie auf eine „Bank, die uns gehört“, der Tri –State-Bank zu deponieren…“
Nach seinem Tod empfängt er 1977 die Freiheitsmedaille des Präsidenten, dann 2004 die Goldmedaille des Kongresses. Ronald Reagan unterzeichnet am 2. November 1983 die King Day Bill, die einen neuen Feiertag im amerikanischen Kalender einführt. Dieser Tag wird jedes Jahr am 4. April, dem Jahrestag des Todes von Martin Luther King, seit dem Jahr 2000 von allen amerikanischen Staaten gefeiert.