Die Ursprünge
Das Wort Katechese stammt vom griechischen katechein und bedeutet „widerhallen lassen“ oder „erklingen lassen“. Es bezeichnet eine mündliche Unterweisung, deren Ziel es ist, nicht Riten, sondern Glaubensinhalte und Hoffnung zu vermitteln. Katechese bedeutet daher, dem Wort, das uns Leben schenkt, Resonanz zu verleihen und das Evangelium mit dem Leben in Einklang zu bringen. Sie ist nicht allein Aufgabe der Katechetinnen und Katecheten, der Jugendlichen und ihrer Eltern, sondern der gesamten Gemeinde. Die Gläubigen sind stets dazu aufgerufen, ihren Glauben weiter zu vertiefen und davon Zeugnis abzulegen.
Der Begriff des Katechumenats stammt aus der frühchristlichen Antike. Das Katechumenat entstand in einer Zeit, in der das Christentum Anfeindungen ausgesetzt war. Die Reformation griff die Tradition des Katechumenats wieder auf und schuf zugleich Katechismen, um den religiösen Fehlentwicklungen des ausgehenden Mittelalters entgegenzuwirken und die Gläubigen in eine echte Bekennergemeinschaft einzugliedern.
Die verschiedenen katechetischen Modelle
Das biblische Modell – Jünger gewinnen
Jesus lehrt in den Synagogen, im Tempel von Jerusalem, in Städten und Dörfern sowie am Seeufer. Er richtet sein Wort gleichermaßen an die Jünger, die Pharisäer und die Volksmenge. Besonders die Pastoralbriefe betonen den Inhalt der Lehre, die aus der Heiligen Schrift hervorgeht.
Das antike Modell – die Einrichung eines Katechumenats
Diese Organisationsform wurde durch das zahlenmäßige Wachstum der Kirchenmitglieder, durch ihre geografische Ausbreitung sowie das Aufkommen von Irrlehren notwendig. Ebenso machten die Verfolgungen durch den Staat und die Feindseligkeit der Bevölkerung eine strukturierte Vorbereitung erforderlich. Mit dem Mailänder Edikt von 313 wurde das Christentum zur offiziell anerkannten Religion. Dadurch wandelte sich auch das Verständnis der Sakramente: Sie wurden zu heiligen Ritualen, durch die das Heil erlangt und die Eingliederung in die gesellschaftliche Gemeinschaft vollzogen werden sollte. Der Religionsunterricht wurde nun als Teil der scholastischen Theologie verstanden. Die scholastische Methode ersetzte den biblischen und historischen Ansatz der Kirchenväter durch eine abstrakte und logisch aufgebaute Argumentation, bei der die Glaubenswahrheiten gegenüber der Verkündigung der Frohen Botschaft und der Umkehr der Herzen in den Vordergrund traten.
Das moderne reformatorische Modell – Die Verfassung eines Katechismus
Die Reformation führte den Katechismus und die gezielte Verbreitung entsprechender Lehrbücher ein. Damit entsprach sie sowohl einem praktischen als auch einem theologischen Bedürfnis und begründete zugleich eine neue literarische Gattung, die konfessionsübergreifend großen Erfolg hatte. Jeder sollte mit den grundlegenden Inhalten des christlichen Glaubens vertraut gemacht werden. In den ersten Jahren der Reformation erschienen mehr als dreißig verschiedene Katechismen.
Die verschiedenen Katechismen
1529 verfasste und veröffentlichte Martin Luther seine beiden Katechismen: den Kleinen Katechismus, der für wenig gebildete Pfarrer und Prediger bestimmt war, sich an Anfänger richtete und besonders für den Gebrauch im häuslichen Umfeld geeignet war, sowie den Großen Katechismus, der denjenigen als Grundlage dienen sollte, die für den Religionsunterricht verantwortlich waren. Sowohl in seiner Form – Fragen und Antworten – als auch in seinem Inhalt wurde er zum Vorbild für die zahlreichen Katechismen des 16. Jahrhunderts, deren Einfluss weit über die Grenzen des Protestantismus hinausreichte.1545 veröffentlichte Johannes Calvin den Genfer Katechismus, der in Dialogform aufgebaut war, indem der Pfarrer die Fragen stellte und das Kind antwortete. Schon bald wurde er jedoch vom Heidelberger Katechismus abgelöst, der 1563 von einer Gruppe von Theologen unter der Schirmherrschaft des Kurfürsten Friedrich III. von der Pfalz ausgearbeitet wurde, nachdem dieser sich der Reformation angeschlossen hatte.
Der zum Teil stark lehrhafte Charakter dieser Katechismen wird durch die existenzielle Botschaft eines persönlichen Gottes ausgeglichen, dem der Mensch vertrauen kann. Dennoch blieben diese Texte anspruchsvoll und um sie sich einzuprägen, mussten sie häufig auswendig gelernt werden. Sie enthielten kaum praktische Hinweise für die Gestaltung des täglichen Lebens der Katechumenen. Gleichwohl haben sie das protestantische Denken über Jahrhunderte hinweg nachhaltig geprägt.
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Strenge dieser Texte zunehmend kritisiert. Jean-Frédéric Ostervald, Pfarrer in Neuenburg in der Schweiz, beschloss daher, einen Katechismus zu verfassen, „um das Urteilsvermögen und das Herz der Kinder zu bilden“. 1702 erschien sein Katechismus oder Unterweisung in der christlichen Religion, der außerordentlichen Erfolg hatte, insbesondere in seiner gekürzten Fassung, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in Gebrauch blieb.
Die Sonntagsschulen
Die Erweckungsbewegung des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts verfolgte das Ziel, die Bibel in der ganzen Welt bekannt zu machen. In diesem Zusammenhang entstanden die ersten Sonntagsschulen, die ersten Bibelgesellschaften und die ersten Missionsgesellschaften. Die erste Sonntagsschule wurde 1781 in Großbritannien gegründet. Die Kinder wurden in Gruppen von sechs bis acht Personen unterrichtet und lernten lesen – vor allem anhand der Bibel. Diese Kindergruppen standen unter der Leitung eines anglikanischen Geistlichen. Zunächst fanden sie außerhalb der Kirchen statt, später wurden sie in das Gemeindeleben integriert.
In Frankreich entwickelten sich zahlreiche Sonntagsschulen zunächst außerhalb der Kirchen und Schulen. Bei der Gründung der Société des Écoles du Dimanche (Gesellschaft der Sonntagsschulen, SED) im Jahr 1852 durch Jean-Paul Cook gab es bereits fast 130 solcher Einrichtungen. Der junge Evangelist, der in der Schweiz und in Großbritannien ausgebildet worden war, veröffentlichte bereits 1848 die Broschüre Geschichte und Organisation einer Sonntagsschule, in der sowohl die Pädagogik als auch die Unterrichtsinhalte erläutert wurden. Ab 1851 gab er außerdem die Zeitschrift Le Magasin des Écoles du Dimanche heraus.
Die SED (Société des Écoles du Dimanche) formulierte ihr Ziel wie folgt: Die Verbreitung der evangelischen Wahrheit durch die Sonntagsschulen. Die Gesellschaft der Sonntagsschulen unterstützte die Gründung dieser Schulen und setzte sich für deren Weiterentwicklung ein, ohne sich in ihre Leitung einzumischen. Sie verstand sich als missionarische Organisation. Alle protestantischen Kirchen waren eingeladen, sich der Bewegung anzuschließen. Grundlage des Unterrichts war ausschließlich die Bibel. Die Pfarrer wurden zur Mitarbeit ermutigt, jedoch unterrichteten sie stets gemeinsam mit ehrenamtlichen Gemeindegliedern.
Bereits in ihren Anfangsjahren entwickelte die SED pädagogische Unterrichtsmaterialien, die von einem 1857 in Paris gegründeten Verlag veröffentlicht wurden. Ab 1865 erschien wöchentlich La feuille du dimanche pour les enfants mit einem Bibeltext, einer Geschichte und gelegentlich einer Illustration. 1888 übernahm die Zeitschrift der Sonntagsschulen die seit 1867 erschienenen Leçons bibliques (biblische Lektionen), in denen Bilder mit biblischen Szenen, Projektionsbilder („Lichtbilder“) sowie ein Kalender zur Modernisierung der Unterrichtsmethoden beitrugen.
Dennoch äußerte Pfarrer Wilfred Monod auf der Nationalsynode der Reformierten Kirchen in Le Havre im Jahr 1902 Zweifel an der Pädagogik der Sonntagsschulen. Er kritisierte insbesondere, dass für alle Altersgruppen dasselbe Unterrichtsprogramm vorgesehen war und dass dieses die Kinder weder auf das Gemeindeleben noch auf den öffentlichen Gottesdienst vorbereitete.
Die Katechese heute
Die Schwierigkeit der Katechese besteht darin, dass sie sich zwischen Unterricht, Glaubensweitergabe und persönlichem Zeugnis bewegt. Dabei muss berücksichtigt werden, dass es weder eine für alle Zeiten gültige theologische Synthese noch eine endgültige pädagogische Methode gibt. Deshalb ist stets neu zu fragen, an wen sich die Katechese richtet – Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene – und in welcher Form sie gestaltet werden soll.
Im Jahr 2002 wurde die SED aufgelöst. An ihre Stelle trat die Koordinationsstelle Édifier et Former (« Aufbauen und Bilden »), die unter anderem folgende Orientierungspunkte vorschlägt:
- eine Öffnung zur Welt der Bibel, damit jede und jeder die biblischen Texte selbst auslegen und sich von ihnen ansprechen lassen kann;
- die Vermittlung von Kenntnissen über die Symbole des christlichen Glaubens, die Geschichte des Christentums sowie über die unterschiedlichen religiösen Ausdrucksformen unserer Zeit;
- die Begegnung mit Glaubenszeuginnen und Glaubenszeugen – biblischen Gestalten ebenso wie Katechetinnen und Katecheten, Gemeindegliedern oder Menschen, die Verantwortung im gesellschaftlichen Leben tragen;
- einen Raum für das Gespräch, in dem jede und jeder in einem Klima des Vertrauens über eigene Überzeugungen und Zweifel sowie über das Verhältnis zu Gott und zur Welt sprechen kann. Biblische Texte und Glaubenszeugnisse dienen dabei als Grundlage und Vertiefung der gemeinsamen Reflexion.
Auf regionaler Ebene bestehen katechetische Arbeitsgruppen, die sich mit den grundlegenden Fragen der heutigen Katechese beschäftigen. Sie unterstützen Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Katechetinnen und Katecheten bei den besonderen Herausforderungen der Glaubensvermittlung.
In der Praxis
Kleine Gruppen von Kindern treffen sich zur Katechese im Gemeindehaus oder in der Kirche. Je nach Gemeinde werden sie vom Pfarrer oder von ehrenamtlichen Katechetinnen und Katecheten begleitet, die allein oder zu zweit unterrichten. In manchen Gemeinden eröffnet der Pfarrer die Stunde mit einer Einführung in das Thema oder schließt sie mit einer Zeit der Besinnung ab.
Die Unterrichtsprogramme unterscheiden sich zwar von Gemeinde zu Gemeinde, behandeln jedoch im Wesentlichen dieselben Themen. Während der Jahre der Bibelschule stehen in der Regel biblische Personen im Mittelpunkt. Die eigentliche Katechismuszeit, deren Dauer unterschiedlich sein kann, bietet eine thematische Einführung in die Heilige Schrift und kann auch vergleichende Religionskunde oder die Geschichte der Reformation umfassen.
Im Allgemeinen übernimmt der Pfarrer das letzte Katechismusjahr, das die Jugendlichen auf die Konfirmation und die erste Teilnahme am Abendmahl vorbereitet. Im Rahmen dieser Vorbereitung führt er mit jeder Katechumenin und jedem Katechumenen ein persönliches Gespräch.
Zusammenfassend lassen sich vier Stufen der religiösen Unterweisung unterscheiden:
- Der Bibelgarten (Jardin biblique) für Kinder ab drei oder vier Jahren, der etwa alle zwei Wochen während des Gottesdienstes stattfindet.
- Die Bibelschule für Kinder von sieben bis zehn oder elf Jahren. Sie findet entweder während des Gottesdienstes oder unter der Woche statt, wöchentlich oder vierzehntägig.
- Der Katechismusunterricht für Jugendliche von elf bis fünfzehn Jahren. Seine Organisation variiert je nach Gemeinde erheblich (zum Beispiel anderthalb Stunden alle zwei Wochen oder ein ganzer Tag im Monat). Diese Unterschiede hängen häufig mit der geografischen Ausdehnung der jeweiligen Gemeinde zusammen.
- Für Jugendliche zwischen fünfzehn und achtzehn Jahren werden Post-KT-Gruppen Sie ermöglichen Diskussionen, Themen- oder Freizeitabende und tragen dazu bei, die Gemeinschaft und die in den Katechismusgruppen entstandenen Freundschaften zu erhalten.