Das Kaiserreich

Die Protestanten waren zwar im allgemeinen Anhänger der Revolution gewesen, die ihnen Religionsfreiheit und bürgerliche Gleichstellung gebracht hatte, aber sie akzeptieren auch problemlos das Konsulat und dann das Kaiserreich.

Die Protestanten haben ihre Respektabilität zurückgewonnen, bewahren sich jedoch ein unabhängiges Urteil

  • Madame de Staël (1766-1817) © Collection Château de Coppet

Das Konkordat erkennt die reformierte und die lutherische Glaubensgemeinschaft offiziell an. Die protestantischen Notabeln (angesehene Persönlichkeiten der bürgerlichen Oberschicht) in Paris verzeichnen mit Befriedigung, dass sich die Konsistorien aus glänzenden Persönlichkeiten zusammensetzen. Vertreter der Pastoren werden zu Krönung Napoleons geladen und dieser antwortet mit warmen Worten auf ihre Huldigung. Von den Kanzeln herab werden die kaiserlichen Siege verkündet, an denen auch protestantische Generäle, wie Rapp und Walther, beteiligt sind. Letzterer kommandiert die Gardekavallerie. An der Spitze der Verwaltung und in der Universität sind die Protestanten in großer Zahl vertreten.

Die Kirchen bauen ihre Gemeinschaften wieder auf, insbesondere ihr religiöses Leitungspersonal. Zu der Theologischen Fakultät in Straßburg, die den Lutheranern vorbehalten ist, und der damals zum Kaiserreich gehörenden Theologischen Fakultät Genf kommt 1808 die für die Reformierten gegründete Theologische Fakultät in Montauban hinzu. 1814 ist die nach 1792 stark zurückgegangene Zahl der Pastoren wieder angewachsen : 214 reformierte Pastorenstellen sind besetzt, fast zweimal so viele wie 1802.

Der französische Protestantismus wird nach und nach wieder gesellschaftsfähig, wenn ihn die gemeinsame Religion, die ihn mit dem damals feindlichen England verbindet, auch etwas suspekt erscheinen lässt. Im Großen und Ganzen wendet ihm die öffentliche Meinung jedoch nicht viel Aufmerksamkeit zu und manch einer rechnet damit, dass er bald in der katholischen Kirche aufgeht.

In der unmittelbaren Umgebung Napoleons I. treten dagegen nur ganz wenige Protestanten hervor und die bekanntesten unter ihnen, wie Madame de Staël und Benjamin Constant, erweisen sich bald als Gegner.

Bibliographie

  • Bücher
    • ROBERT Daniel, Les Églises réformées en France (1800-1830), PUF, Paris, 1961

Dazugehörige Rundgänge

Dazugehörige Vermerke

  • Das Konkordat

    Das Konkordat, das von den organischen Artikeln ergänzt wird, regelt das Leben der Kirchen, der protestantischen sowie der katholischen. Es beinhaltet keine restriktive Maßnahme, und zum ersten Mal werden die...
  • Die Theologische Fakultät von Montauban im 19. Jahrhundert

    Seit ihrer Gründung in den Jahren 1808-1810 bildete die Theologische Fakultät von Montauban den größten Teil der Pfarrer der reformierten Kirche aus. Nach einigen zögerlichen Versuchen fand dort eine Studienreform...
  • Germaine von Staël (1766-1817)

    Germaine von Staël, von schwärmerischer Empfindsamkeit, ist eine der großen literarischen Figuren der Vorromantik. Ihre politischen Stellungnahmen führen sie mehrmals ins Exil auf das Gut ihres Vaters in Coppet (bei...
  • François Guizot (1787-1874)

    Das Leben von François Guizot erstreckt sich fast über das ganze 19. Jahrhundert. Er wurde am 4. Oktober 1787 unter dem Ancien Régime in einer protestantischen Familie geboren und starb...
  • Die Protestanten und die politische Macht

    Aufgrund ihres theologischen und kulturellen Horizonts sind die Protestanten überzeugte Anhänger der demokratischen Ideen, die man vornehmlich in der republikanischen Regierungsform verkörpert sah. Dem liberalen System der Julimonarchie stehen sie...
  • Die Restauration (1814-1830)

    Die Verfassung von 1814 ist nicht eindeutig. Einerseits sichert sie allen Konfessionen staatlichen Schutz zu, andererseits erklärt sie jedoch den katholischen Glauben zur „Staatsreligion“. Der Weiße Terror des Jahres 1815...
  • Die Julimonarchie (1830-1848)

    Im Großen und Ganzen können die Protestanten mit der Juli- Monarchie leben. Diese beginnt, sie als normale Bürger zu behandeln. Der Katholizismus ist nicht mehr „Staatsreligion“, sondern die „Religion der...