Verband der evangelischen Freikirchen

Die Union der Freien Evangelischen Kirchen (UEEL) wurde 1849 gegründet. Sie betont ihre Verbundenheit mit der reformatorischen Tradition und lehnt jede Einflussnahme des Staates auf ihre Organisation und das Wirken der Kirche ab. Bei der Gründung der Reformierten Kirche Frankreichs im Jahr 1938 entschied sich die UEEL bewusst gegen einen Beitritt.

Die UEEL ist seit 1987 mit der Föderation der Evangelisch-Baptistischen Kirchen Frankreichs verbunden und gehört zugleich dem internationalen Verband der Freien Evangelischen Kirchen an. Bereits 1905 war gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Fédération protestante de France. Mit Édouard Gruner (X-Mines, Bergbauingenieur, Jahrgang 1869) stellte sie zudem deren ersten Präsidenten (1905–1927). Anfang der 1960er Jahre distanzierte sich die UEEL von der Föderation, trat ihr jedoch 1996 erneut bei.

Geschichte

Agénor de Gasparin (1810-1871) © S.H.P.F.

Mit dem napoleonischen Konkordat von 1804 erhielt die Reformierte Kirche ihre bisherigen Rechte zurück. Gleichzeitig wurden jedoch sehr strenge konsistoriale Bestimmungen eingeführt, die dem Staat unter anderem ein Mitspracherecht bei der Berufung der Pfarrer einräumten.

Diese neue Situation war reich an Initiativen, war zugleich aber auch von intensiven Diskussionen über die Identität des Protestantismus und seine Rolle in der Gesellschaft geprägt. Aus der Vielfalt der neuen Initiativen zeichneten sich insbesondere zwei Strömungen ab:

Die eine vertrat einen liberalen Protestantismus und zeigte sich offen gegenüber den positiven gesellschaftlichen Auswirkungen des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts.

Die andere stand den von der Schweiz und den angelsächsischen Ländern ausgehenden Erweckungsbewegungen nahe. Sie legte besonderen Wert auf die Verkündigung des Evangeliums und den missionarischen Auftrag, lehnte jedoch jede Anpassung an den Zeitgeist ab, die vom Wesentlichen des christlichen Glaubens ablenken würde.

Im Zuge der liberalen Revolutionen von 1848 konzentrierte sich die Diskussion zwischen den verschiedenen protestantischen Strömungen auf das Verhältnis der protestantischen Kirche zum Staat. Mehrere Gemeinden wollten sich von der staatlichen Kontrolle lösen.

1849 wurde eine Generalversammlung des französischen Protestantismus einberufen. Während dieser Versammlung entschieden sich mehrere Kirchen, die sich auf das Glaubensbekenntnis von La Rochelle beriefen, für die Unabhängigkeit vom Staat. Gemeinsam mit unabhängigen Erweckungsgemeinden und verschiedenen evangelistischen Missionsstationen schlossen sie sich zur Union der Evangelischen Kirchen zusammen, die sich ausdrücklich als frei von jeder Bindung an den Staat verstand.

Frédéric Monod und Agénor de Gasparin formulierten ihre grundlegenden Leitlinien:

  • Treue zum Evangelium,
  • Treue zur Reformation,
  • Bewahrung der „gesunden Lehre“,
  • eine klare Trennung zwischen Kirche und Welt.

Die grundlegenden Lehrüberzeugungen

Die Union der Freien Evangelischen Kirchen bekennt sich ausdrücklich zum Geist der Reformation und lehnt jede Vereinnahmung oder Abhängigkeit der Kirche von staatlichen Strukturen ab. Sie versteht sich in der Nachfolge der Lehre der frühen Kirche, wie sie in den Konzilien von Nizäa, Konstantinopel, Ephesus und Chalkedon ihren Ausdruck gefunden hat.

Die Präambel ihres Glaubensbekenntnisses unterstreicht den einzigartigen Rang der Heiligen Schrift:

„Nachdem Gott zum Volk Israel durch seine Propheten gesprochen hatte, hat er sich in seinem Sohn Jesus Christus endgültig offenbart. Die Bibel ist der unfehlbare Ausdruck dieser Offenbarung.“

Ihre dogmatische Grundlage besteht im uneingeschränkten Festhalten an der „gesunden Lehre“, das heißt an einer Lehre, die sich der höchsten Autorität der Heiligen Schrift unterordnet. Diese Bindung an die Bibel geht jedoch mit dem Bestreben einher, zwischen Wesentlichem und Nachgeordnetem zu unterscheiden.

Ein Leitspruch, der einem der Gründer zugeschrieben wird, bringt dieses Selbstverständnis zum Ausdruck:

„In den wesentlichen Dingen Treue, in den nachgeordneten Dingen Freiheit, in allen Dingen Liebe.“

Die Gemeinden der UEEL beanspruchen nicht, die einzigen evangelischen Kirchen zu sein. Vielmehr möchten sie ihrem Selbstverständnis entsprechend evangelisch leben und handeln.

Da der christliche Glaube nicht nur eine Lehre, sondern vor allem eine persönliche Beziehung ist, betonen sie besonders die  Glaubensbeziehung der Menschen zu Gott durch Jesus Christus.

Die Mitglieder der UEEL bezeichnen sich gerne als „Libristen“ (libristes) und spielen dabei bewusst mit der doppelten Bedeutung dieses Begriffs.

Sie sind Libristen, weil sie dem Buch, der Bibel, verpflichtet sind. Sie widmen dem Studium der biblischen Texte viel Zeit und sorgen für ihre Verbreitung. Deshalb engagieren sie sich auch aktiv in der Bibelgesellschaft.

Zum anderen verstehen sie sich als Libristen, weil sie gegenüber der Welt frei bleiben wollen. Zwar beziehen sie zu ethischen Fragen der Gesellschaft Stellung, sie vermeiden jedoch eine unmittelbare politische Einflussnahme. So dürfen ihre Geistlichen keiner politischen Partei angehören, auch wenn mehrere der Gründer der Union selbst politische Ämter ausgeübt hatten.

Organisation

Revue annuelle d’Evangélisation © Mours

Die Freien Evangelischen Kirchen der UEEL sind Bekenntnisgemeinden (Gemeinden der Glaubenden). Ihre Mitglieder bekennen sich persönlich zu dem evangelischen und reformatorischen Glauben, den die Union vertritt. Dies setzt eine bewusste persönliche Bekehrung sowie die Verpflichtung voraus, den wesentlichen Grundlagen des Glaubens treu zu bleiben.

Gleichzeitig heißen die Gemeinden auch Menschen willkommen, die der Kirche nahestehen, ohne formell Mitglied zu sein, und begegnen ihnen mit großer Offenheit und Herzlichkeit.

In Frankreich gehören zur UEEL 27 selbstständige Gemeinden sowie 23 evangelistische Außenstationen, die sich über die großen und mittleren Städte des Landes verteilen. Sie zählen rund 2.300 bekennende Mitglieder und etwa 2.000 weitere mit den Gemeinden verbundene Personen. Die pastorale Arbeit wird von 44 Pastorinnen und Pastoren wahrgenommen.

Die Organisation der UEEL ist auf lokaler und regionaler Ebene sowie nach einem teil-synodalen Modell aufgebaut. Ihr Ziel ist es, die Gemeinschaft in den wesentlichen Fragen des Glaubens zu stärken. Zugleich ist die UEEL überzeugt, dass die Vielfalt unterschiedlicher Situationen und Erfahrungen dort, wo es um nachgeordnete Fragen geht, eine Bereicherung darstellt und nicht eingeschränkt werden sollte.

Die Synode tritt alle zwei Jahre zusammen. Sie wählt eine Synodalkommission, die aus zehn Mitgliedern besteht – fünf Laien und fünf Pastorinnen beziehungsweise Pastoren – und die Verantwortung für die Leitung und das gute Funktionieren der UEEL trägt.

Die Pastorinnen und Pastoren werden in der Regel entweder an der Freien Reformierten Theologischen Fakultät in Aix-en-Provence oder an der Freien Evangelischen Theologischen Fakultät in Vaux-sur-Seine ausgebildet. Ihre Berufung erfolgt durch eine Kommission für den kirchlichen Dienst, die von der Synodalkommission eingesetzt wird. Die endgültige Anerkennung erfolgt durch die Synode auf Vorschlag der Synodalkommission.

Für ehrenamtlich Mitarbeitende, insbesondere in der Katechese oder im diakonischen Dienst, wird eine dezentrale Ausbildung angeboten.

Die UEEL misst der missionarischen Arbeit große Bedeutung bei:

  • Mission im Inland durch gemeinsames Bibelstudium, verschiedene Formen der Evangelisation sowie die Verbreitung von Bibeln und bibelauslegender Literatur.
  • Mission im Ausland, insbesondere im Südpazifik sowie in der Republik Kongo (Brazzaville).

Die UEEL gibt die monatlich erscheinende Zeitschrift „Pour la Vérité“ („Für die Wahrheit“) heraus.

Internetseite der UEEL

Dazugehörige Vermerke