Madeleine Barot (1909-1995)

Eine Frau, die sich mit voller Kraft für den Dienst am Nächsten und die Ausstrahlung des Protestantismus engagiert

Jugend

  • Madeleine Barot © Réforme

Madeleine Barot kommt in Châteauroux in einer Lehrerfamilie zur Welt und geht in Clermont-Ferrand und in Versailles zur höheren Schule, wo sie an den Aktivitäten der „Fédé“ (Französischer Bund christlicher Studentenvereine) für Oberschüler teilnimmt.

Sie studiert an der Sorbonne Geschichte, beginnt dann, in der Bibliothèque Nationale als Praktikantin zu arbeiten und wird 1935 Archivarin an der École Française de Rome (Französischen Schule in Rom), wo sie bis 1940 bleibt. Damals tritt sie auch in die „Fédé“ ein, in dem sie von diesem Zeitpunkt an sehr aktiv ist.

Der Krieg 1940

Als Italien in den Krieg eintritt, wird Madeleine Barot nach Frankreich zurückbeordert. Dort übernimmt sie auf Vorschlag von Pfarrer Marc Boegner das Generalsekretariat der Cimade, Comité inter-mouvements auprès des évacués (bewegungsübergreifendes Hilfskomitee für Evakuierte), an deren Aufbau sie zusammen mit Suzanne de Dietrich mitgewirkt hat und die sich der dramatischen menschlichen Probleme im Zusammenhang mit den Flüchtlingen und Evakuierten annimmt.

Von da an widmet sie ihre ganze Intelligenz und Energie der Koordination der Hilfe für die Internierungslager, insbesondere für das Lager in Gurs (Pyrénées-Atlantique), in dem an die 40.000 Ausländer und Juden vom Vichy-Regime festgehalten werden. Sie macht häufige Besuche in den Lagern, organisiert Aufnahmezentren in Chambon-sur-Lignon, und es gelingt ihr, für die am meisten gefährdeten Juden Fluchtwege in die Schweiz einzurichten.

Sie nimmt an der Reflexionsgruppe teil, die 1941 zur Abfassung der Thesen von Pomeyrol führt, in denen der Widerstand der Reformierten Kirche Frankreichs gegen den Nationalsozialismus unterstrichen wird.

Nach der Befreiung Frankreichs kümmert sich Madeleine Barot um die Gefangenen, die der Kollaboration verdächtigt werden, vor allem in Drancy.

Internationale Aktivitäten

1953 wird Madeleine Barot Leiterin der Abteilung für Zusammenarbeit zwischen Männern und Frauen in Kirche und Gesellschaft des Ökumenischen Rats der Kirchen, wozu noch die Leitung der Abteilung für entwicklungsbezogene Bildungsarbeit kommt. 1968 nimmt sie an den Arbeiten der SODEPAX (Society, Development, Pax) unter der Ägide des ÖRK (Ökumenischer Rat der Kirchen) und der katholischen Kirche teil und reist in diesem Zusammenhang nach Schwarzafrika, Madagaskar und Südamerika, wo sie mitten in der Zeit der Entkolonisierung eine herausragende Rolle bei der Verbesserung der Lage der Frauen spielt und ihr internationales Ansehen wächst.

Von 1974 bis 1979 ist sie Sekretärin der Kommission für soziale, wirtschaftliche und internationale Angelegenheiten der Fédération Protestante de France (Bund protestantischer Kirchen in Frankreich).

1980 wird sie Vizepräsidentin von ACAT, Action des chrétiens pour l’abolition de la torture (Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter).

1988 wird Madeleine Barot zum Doctor Honoris Causa der Theologischen Fakultät in Paris ernannt.

Bibliographie

  • Bücher
    • CABANEL Patrick et ENCREVE André , Dictionnaire biographique des protestants français, de 1787 à nos jours, Editions de Paris - Max Chaleil, Paris, 2015, Tome 1 : A-C
    • POUJOL Geneviève, Un féminisme sous tutelle – Les protestantes françaises 1810-1960, Max Chaleil éditeur, Paris, 2003

Dazugehörige Vermerke

  • Die Cimade

    Die Cimade wurde zu Beginn des Zweiten Weltkriegs gegründet, um den Vertriebenen zu helfen. Später weitete sie ihre Tätigkeit auf die Flüchtlinge der ganzen Welt aus und tritt bis heute...
  • Suzanne de Dietrich (1891-1981)

    Suzanne de Dietrich kommt aus einer elsässischen Familie mit lutherisch-reformiert geprägter Tradition. Nach ihrem Ingenieurabschluss wendet sie sich mit Leidenschaft dem Bibelstudium zu, das sie mit einem sehr hohen Anspruchsniveau...
  • Die protestantischen Frauen in der "Fédé"

  • Tommy Fallot (1844-1904)

    Schon in seiner Jugend war Tommy Fallot darüber erschüttert, wie wenig Interesse der – am Ende des 19. Jahrhunderts sehr zerstrittene – Protestantismus der sozialen Frage entgegenbrachte. Als Pastor wurde...
  • Charles Gide (1847-1932)

    Charles Gide ist Nationalökonom und eine herausragende Gestalt in der Genossenschaftsbewegung und im Sozialchristentum Frankreichs. Leitfaden seines Werkes ist der Begriff der Solidarität.
  • Charles Westphal (1896-1972)

    Ein Pfarrer der Reformierten Kirche Frankreichs und ein scharfsinniger, subtiler Geist. Charles Westphal bleibt in Erinnerung als ein Mensch mit großer geistiger Ausstrahlung und einer soliden literarischen Bildung.

Dazugehörige Rundgänge