Die Jouy-Stoffe

Über 150 Jahre nach der Schließung der von Oberkampf 1760 gegründeten Manufaktur von Jouy-en-Josas (Yvelines) ist der Begriff Jouy-Stoffe ein Gattungsname geworden: er bezeichnet jene rot, blau, grün oder grau bedruckten Stoffe mit Motiven von Personen, ländlichen Schäferidyllen oder antiken Themen.

Die Geschichte der bedruckten Stoffe

Christophe-Philippe Oberkampf, Leinwand von Jouy, 18. Jahrhundert © Collection particulière

Der Druck von Pflanzenmotiven auf Stoffen ist sehr alt. In Indien, dem großen Produzenten von Baumwollstoffen wurden schon in den ersten Jahrhunderten waschechte Färbemittel entdeckt, und das Mittel, in Hohlräume oder Reliefs Motive einzugravieren, um billige Stoffe zu drucken. Schon im  Mittelalter werden diese Baumwollstoffe im ganzen Orient exportiert, dann im Mittleren Osten, und sie kommen im 17. Jahrhundert auf die europäischen Märkte. Sie werden für Kleider und Möbelausstattungen benutzt. Um 1660 sieht man sie auf den Messen rund um Paris, die für ihre kommerzielle Bedeutung bekannt sind. Sie gefallen für ihre Leichtigkeit, ihre fröhlichen Farben und Motive und befriedigen den weiblichen Geschmack für Exotisches , der nach der Gesandtschaft des persischen Königs in Frankreich 1686 Mode ist.

Aber im Jahre 1686 erlässt ein Urteil des Staatsrates das Verbot von bemalten Baumwollstoffen, für den Import oder die Herstellung, um die Manufakturen für Seide, Wolle, Leinen und Hanf zu schützen. Dekrete befehlen die Zerstörung der gravierten Hölzer, die zur Stoffbedruckung nötig sind. Dieses Verbot, das kurze Zeit nach der Aufhebung des Edikts von Nantes erlassen wird, zwingt zahlreiche Handwerker ins Exil oder in den Untergrund. – viele kommen aus dem Departement Gard und sind Protestanten. Es begünstigt die Gründung in der Schweiz –besonders im Kanton Neuchâtel –  von Fabriken von indischen Stoffen, deren bekannteste die von Bied ist. Der Schwarzhandel entwickelt sich und trotz des Verbots organisiert sich die heimliche Herstellung.

Nach und nach vermindert sich die Unterdrückung. Madame e Pompadour trägt indische Baumwollstoffe und benutzt sie, um die Möbel in ihrem Schloss Bellevue damit auszustatten.; sie trägt dazu bei, dass 1759 allgemein erlaubt wird, auf Stoff zu drucken.

Viele schnell eröffnete Manufakturen verfallen, denn es fehlt an fähigen Arbeitskräften, um sie am Leben zu erhalten, außer im Elsass wo die bedruckten Baumwollstoffe schnell einen aktiven Markt darstellen.

Christophe-Philippe Oberkampf (1738-1815), der zunächst von seinem Vater in Aarau in der Schweiz ausgebildet worden war, dann bei Koechlin-Dollfus in Mühlhausen, einer Stadt, die noch nicht zu Frankreich gehörte, kommt danach zu Herrn Cottin, einem Graveur in Paris. Er kennt alle Techniken des Stoffdrucks und beschließt 1760, sich außerhalb von Paris niederzulassen, in Jouy-en-Josas, in der Nähe von Versailles am Ufer der Bièvre. Dort gründet er eine Manufaktur für Stoffdrucke, die wichtig und berühmt wird.

Nach dem Tod von Oberkampf geht die Herstellung mit seinem Sohn Emile weiter, der das Unternehmen 1822 an Jacques Juste Barbet, genannt „von Jouy“ verkauft. Dieser schließt die Manufaktur nach 83 Jahren Stoffbedruckung.

Die Schönheit der Zeichnungen auf den Jouy-Stoffen

Würdigung Frankreichs durch Amerika © Musée de la Toile de Jouy-Jouy en Josas

Es ist vor allem die Schönheit und Mannigfaltigkeit der gedruckten Motive in einer oder mehreren Farben, die die Berühmtheit von Jouy ausmachen; Es sind Blumenmotive, gesät oder in Girlanden, deren Zeichnung das Werk von Zeichnern ist, die der Manufaktur angehören oder von außerhalb kommen: Motive mit Personen, galante Szenen aus Romanen , die gerade  Mode sind, Kinderspiele, Tiere aus den Fabeln von La Fontaine. Das dekorative Repertoire entwickelt sich ständig weiter dank ausgezeichneter Künstler, von denen einige bekannte Maler waren: Chardin, dann Heim und Demarne und vor allem Jean-Baptiste Huet (1745-1811).

Als Kaschmir modern wird, rivalisieren die Drucke, die diese orientalischen Motive aufgreifen, mit den Seidenstoffen, die für die meisten Frauen zu teuer sind.

Am Ende des 18. Jahrhunderts erscheinen zeitgenössische Szenen auf den Stoffen: der amerikanische Unabhängigkeitskrieg, der Tag der Föderation, der erste Ballonflug. Ab 1797 gibt es vermehrt mythologische und antike Themen. Ab 1807 stellt die Manufaktur Stoffe mit architektonischen, vor allem ägyptischen Motiven her, nach Zeichnungen von J.B.Huet.

Heute ist der Begriff Jouy-Stoffe immer noch bekannt, und die Zeichnungen von Jouy behalten ihren Platz im Kunstgewerbe und werden weiterhin neu hergestellt.

Die Verbesserung der Drucktechniken

Das Opfer an die Liebe © Musée de la Toile de Jouy-Jouy en Josas
Die Schaukel © Musée de la Toile de Jouy-Jouy en Josas ©Christophe Walter

Oberkampf hat sich immer um die Qualität der Stoffe gesorgt, die er bedruckte, und hat sich nie von er „guten Färbung“ trennen wollen, die den waschechten Druck ausmachen.

Der Stoffdruck benötigt mehrere Arbeitsvorgänge und die gute Reihenfolge und Sorgfalt mit der sie sich abspielen, sichert den in Jouy bedruckten Stoffen die Haltbarkeit ihrer Farben, die zu ihrer Berühmtheit beigetragen hat.

Die Stoffstücke werden zunächst ausgeklopft, gewaschen, gebleicht, damit sie ihre Appretur verlieren, dann in der Trockenkammer getrocknet. Der Stoff wird auf einem Tisch ausgebreitet und mit gravierten, mit Farbe überzogenen Holzbrettern bearbeitet: so viele Farben wie es Holz gibt, das regelmäßig verschoben wird, um die Zeichnung zu wiederholen. Die Holzbretter kosten wenig und erlauben, eine große Verschiedenheit von Motiven in kleinen Serien herzustellen.

Wenn die Farben gedruckt sind, wird das Stoffstück ausgiebig gespült, damit die „Beizmittel“ der Farbe den Stoff nicht angreifen. Danach wird es auf den Wiesen getrocknet.

Oberkampf wird von seinem Bruder informiert, dass ein Schweizer Konkurrent Kupferstiche für den Druck verwendet, und so beginnt er ab 1770 diese Technik anzuwenden, die eine Zeichnung von größerer Feinheit erlaubt als das Holz.

Oberkampf schickt seinen Neffen Samuel Widmer zur Lehre zu dem Chemiker Claude Louis Berthollet (1748-1822). Dieser entdeckt die entfärbenden Eigenschaften von Chlor. Diese Erfindung wird 1793 in Jouy angewendet, um die Stoffe vor ihrer Bedruckung zu bleichen.

Ab 1797 erlaubt der Gebrauch der im Hohlraum eingravierten Kupferrolle eine viel schnellerer Bedruckung. Eine weitere Verbesserung kommt ab 1800 mit der Maschine, die automatisch die Zylinder und die Kupferplatten graviert.

Oberkampf erhöht ständig die Produktionskraft seiner Manufaktur in Jouy und führt technische Erneuerungen ein. Er kauft Stoffproben von seinen Konkurrenten in Frankreich und im Ausland. Für ihn geht es darum, ständig einen Vorsprung vor ihnen zu bewahren.

1805 druckt er weiße Zeichnungen auf vorher gefärbte Stoffe mit Hilfe eines Beizmittels, das die Farbe aufhebt. Dieses Vorgehen ist besonders geeignet für den Zylinderdruck.

1810 entdeckt Samuel Widmer das solide Grün in einer einzigen Anwendung, das die Bedruckung mit Blau, danach mit Gelb ersetzt. Er führt auch die Dampfbeheizung der Farbbottiche ein.

Bibliographie

  • Seiten
    • Site du Musée de l’Impression sur Étoffes de Mulhouse | Link
    • Site du Musée de la Toile de Jouy | Link
  • Bücher
    • BREDIF Josette, Les Toiles de Jouy, Adam Biro, Paris, 1989
    • GRIL-MARIOTTE Aziza, Les Toiles de Jouy, histoire d’un art décoratif, 1760-1821, Presses universitaires de Rennes, Rennes, 2015

Dazugehörige Vermerke