Jean Gal, der Prediger
Jean Gal ist in Saint-André-de Valborgne in den Cevennen im Januar oder Februar 1720 geboren. Am 4. Februar wird er von dem Priester getauft, wie es das Gesetz für die Neu-Bekehrten vorschrieb. Aber zu Hause erhält er eine protestantische Erziehung, denn mit 18 Jahren entscheidet er sich für den Pfarrdienst. Er wird zunächst als Bewerber angenommen und begleitet vier Jahre lang einen Pastor. 1742 wird er zum Prediger ernannt und kann Versammlungen abhalten. Eine der ersten Versammlungen, denen er vorsteht, ist die Versammlung vom Pass von Mouzoulès, wo er es anscheinend an Vorsicht mangeln ließ. Als Alarm gegeben wird, will er das nicht berücksichtigen und führt den Gottesdienst weiter. Elf Personen werden von den Dragonern verhaftet, drei Männer werden auf die Galeeren geschickt, acht Frauen gefangen genommen. Sieben werden in den Tour de Constance geschickt, und ein zehnjähriges Mädchen in das Kloster von Anduze (Gard).
Dennoch übt er weiter sein Predigtamt aus, aber wir wissen nichts über seine ersten Jahre.
Schwierige Anfänge
Am 29. Juni 1745 wird Jean Gal in der Synode von Valleraugue als Anwärter anerkannt, gleichzeitig mit anderen Bewerbern. Er verbündet sich übrigens mit zwei von ihnen gegen Pastor Jacques Boyer, der wesentlich älter ist als sie, und der zur Ausbildung von Jean Gal beigeragen hatte. Man hat ihnen den Beinamen Triolett gegeben, und sie wurden in den Gemeinden, die Pastor Boyer unterstützten, heftig kritisiert. Im Oktober 1745, auf der Synode von Thoiras (Gard) werden sie öffentlich verwarnt, ihnen wird verboten, Gottesdienst abzuhalten und sie werden in das Seminar von Lausanne geschickt.
Jean Gal bleibt weniger als ein Jahr im Seminar von Lausanne, von November 1745 bis September 1746. Er schließt Freundschaft mit Antoine Court und unterhält mit ihm einen regelmäßigen Briefwechsel bis zu dessen Tod.
Zurück in Frankreich hat er große Schwierigkeiten wieder in der Kirche aufgenommen zu werden, wo das Andenken an seine Auseinandersetzungen mit Pastor Boyer noch präsent ist. Erst 1748 wird er als Pastor aufgenommen.
Pastor von Ganges während der “heroischen Wüste“
Jean Gal wird am 8. September 1748 ordiniert. Er wird zum Pastor in der Gegend von Saint-Hippolyte und Ganges ernannt, das heißt in den Niederen Cevennen. In Ganges blüht vor allem die Industrie der Seidenstrümpfe, in Saint-Hippolyte -du – Fort die der Gerberei. Es handelt sich um zwei Handelsstädte, wo viermal im Jahr Messen stattfinden.
Von 1748 bis 1760 erstreckt sich noch die Zeit der „heroischen Wüste“ und es gibt häufig Verfolgungen. Sobald die Soldaten nicht mehr im Krieg sind, kommen sie nach Ganges und in die umliegenden Städte zurück. In manchen Jahren, ist es schwierig, Versammlungen abzuhalten, und Jean Gal muss sich verstecken. Trotz der Gefahr heiratet er im Juni 1750 eine junge Witwe, Catherine Fabre, mit der er eine Tochter haben wird.
Am 28. November 1751 leitet er eine Versammlung in Roquedur, die 3000 Personen vereint. Sie wird verraten, von den Soldaten umzingelt, aber nur drei Männer werden festgenommen. 1752 gibt es mehr Verfolgungen, ein Pastor wird auf der Esplanade von Montpellier hingerichtet. Jean Gal denkt daran, Frankreich zu verlassen. Aber eine ruhigere Zeit bricht an und er bleibt. 1752 wird sein Bruder als Bewerber angenommen und geht in das Seminar von Lausanne. 1757 wird er Pastor in Le Vigan. Ab 1753 dient Jean Gal nicht mehr in Saint-Hippolyte, das an Lasalle angegliedert wird. Er wird von der Gemeinde in Bordeaux angefordert, aber er nimmt die Stelle nicht an. Er unternimmt dagegen eine Missionsreise von zwei Monaten dorthin.
1754 verdoppeln sich die Verfolgungen, er kann keine Versammlungen abhalten. Er schreibt Predigten und lässt sie unter den Protestanten verteilen. Als im August ein weiterer Pastor hingerichtet wird, beschießt er, in die Schweiz zu fahren, und kommt erst im Juli 1755 zurück.
Die briefliche Tätigkeit während der Zeit der „geduldeten Wüste“
Ab 1760 eröffnet sich eine neue Zeitspanne, die des legalen Untergrundes oder der „geduldeten Wüste“. Jean Gal wird erneut nach Bordeaux berufen und erhält ein Angebot von dem König von Dänemark, das er ablehnt, um in Ganges zu bleiben.
Für Jean Gal ist es eine Zeit der intensiven literarischen Tätigkeit zusätzlich zu seinem Pfarrdienst.
Er unterhält einen wichtigen Briefwechsel mit Pastor Paul Rabat. Seine Vorliebe für das Briefeschreiben wird auf der nationalen Synode von 1763 anerkannt , wo er als Korrespondent für die übrigen französischen Provinzen bestellt wird. Er korrespondiert also mit zahlreichen Kirchen, aber vor allem mit dem Pastor von Poitou, Pastor Pougnard, genannt „Dézérit“. Er unterhält ebenfalls einen Briefwechsel mit dem Sohn von Antoine Court, Court de Gebelin, der zum Abgeordneten für die protestantischen Kirchen von Paris ernannt wurde.
1764 verliert er seine Ehefrau und heiratet 1769 Anne Gervais.
1767 trifft er den protestantischen Schriftsteller Angliviel de la Beaumelle und unterhält einen langen Briefwechsel mit ihm.
Er korrespondiert ebenfalls mit Jean-Jacques Rousseau und mit Voltaire. Er unterbreitet Rousseau sein Manuskript des Briefes an die Bischöfe. Mit Voltaire unterhält er einen regelmäßigen Briefwechsel bis zum Tod des Philosophen, in dem er den Vertreter der Toleranz sieht.
Er schreibt zahlreiche Werke für die Verteidigung des Protestantismus und der Toleranz.
In den letzten Jahren ist er entmutigt und enttäuscht von dem Toleranzedikt von 1787, das den Protestanten nicht die Glaubensfreiheit gewährt. Dennoch ist er der erste in Ganges, der seine beiden Ehen eintragen lässt und alle seine Gläubigen folgen ihm.
Jean Gal stirbt am 17. August 1790; er war 42 Jahre lang Pastor in Ganges.
Sein Grabstein befindet sich heute auf der Seitenmauer der protestantischen Kirche von Ganges. Dort kann man lesen:
Hier ruht J.Gal Pommaret, der ehrenwerte Pastor der Kirche von ‚Ganges, der er 45 Jahre lang gedient hat. Am 7. August 1790 ist er im Alter von 72 Jahren gestorben. (Zu jener Zeit nahm man es mit den Jahren nicht so genau, denn Jean Gal Pomaret ist mit 70 Jahren gestorben und war nur 42 Jahre lang Pastor in Ganges)
Das literarische Werk von Jean Gal-Pomaret
Zusätzlich zu seinem Pfarrdienst in Ganges und Umgebung widmet Pastor Jean Gal-Pomaret viel Zeit der Schriftstellerei, dem Briefwechsel und dem Verfassen von zahlreichen Werken, in denen er den Protestantismus vorstellt und verteidigt. Diese Werke zeugen von einem klaren Denken, einer großen Gelehrsamkeit , einer Anziehungskraft für Philosophie und Aufklärung. Er verteidigt darin die Toleranz.
Mehrere Werke von Jean Gal sind nie veröffentlicht worden, werden aber in Familienarchiven aufbewahrt. Zum Beispiel die Kontroverse von 1759 zwischen Herr de Barral, Generalvikar von Montpellier und Gal-Pomaret, Pastor von Ganges, wo Gal-Pomaret gegen die Angriffe von Herrn de Barral den Protestantismus verteidigt.
Der Brief an die Bischöfe von Frankreich, begleitet von einigen Überlegungen zur Toleranz von einem Prediger der „Wüste“ wird 1766 herausgegeben und kennt einen großen Erfolg. Er trägt dazu bei, Gal-Pomaret über seine Provinz hinaus bekannt zu machen.
1778 erscheint der Christ aus Überzeugung und aus Gefühlen oder der Glaube ohne Ungewissheit und die Frömmigkeit ohne Aberglauben. In diesem Werk in fünf Teilen (Gott, Christus, die Schrift, die religiöse Praxis, die Toleranz) versucht Gal-Pomaret, den gläubigen Protestanten u befähigen, seinen Glauben zu verteidigen. Er zitiert ausgiebig die Schrift, aber ebenso die Philosophen des Altertums und der Neuzeit.
1779 erscheint in Neuchâtel der Katechismus in neuer Form oder der belehrte Konfirmand, der zum heiligen Abendmahl zugelassen wird. Dieser Katechismus besteht aus drei Teilen:
- Was der Mensch ist
- die Lehre über die heilige Geschichte
- Die Lehre über die verschiedenen Religionen und die Vorzüglichkeit des Christentums
- Trotz lobender Kritiken erhält der Katechismus in Frankreich wenig Gehör und wird nicht sehr benutzt.
1773 erscheint der gute Vater oder der protestantische Christ. Es ist das Hauptwerk von Jean Gal, das er in den Jahren um 1760 geschrieben hat, das er aber sein Leben lang wieder aufgenommen und verbessert hat. Es ist ein populärwissenschaftliches Werk über das, was die Protestanten glauben. Er zeigt, dass sich die protestantische Lehre auf die Bibel gründet, aber er stellt auch die Thesen dar, die sich denen der Protestanten entgegen stellen. Das letzte Kapitel handelt von der Toleranz, einem von Gal-Pomaret bevorzugten Thema. Dieses Werk wurde im 19. Jahrhundert zweimal neu aufgelegt.
Sein letztes, kurz vor seinem Tod vollendetes, aber nie veröffentlichtes Werk ist in gewisser Weise sein geistige Testament: Jesus Christus, gesucht, gefunden und verteidigt gegen die, die in unserer Zeit nicht überzeugt sind.