Video: Der Dreißigjährige Krieg in 5 Minuten

Im Jahr 1618 brach in Böhmen, im Heiligen Römischen Reich, aus religiösen und politischen Gründen ein Konflikt aus. Er führte zu einem Krieg, in den die meisten europäischen Länder verwickelt waren.

 

Im Jahr 1618 bricht in Böhmen, im Heiligen Römischen Reich, aus religiösen und politischen Gründen ein Konflikt aus. Er entwickelt sich zu einem Krieg, an dem sich die meisten europäischen Staaten beteiligen. Drei Jahrzehnte lang verwüstet er die Territorien des Heiligen Römischen Reiches, fordert etwa drei Millionen Menschenleben und verändert Europa nachhaltig.

Ein empfindliches Gleichgewicht seit 1555

Nach der von Martin Luther angestoßenen protestantischen Reformation und den Spannungen zwischen Katholiken und Protestanten hatte das Heilige Römische Reich mit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 ein Gleichgewicht gefunden: Der Kaiser überließ den deutschen Fürsten die freie Wahl zwischen der katholischen und der lutherischen Konfession. Die Religion des Landesherrn wurde damit zugleich die Religion seines Territoriums – cuius regio, eius religio („Wessen Herrschaft, dessen Religion“).

Dennoch blieben zwei grundlegende Probleme bestehen: Zum einen war der Calvinismus nicht Bestandteil des Abkommens; zum anderen führte die Frage nach dem Eigentum an kirchlichen Gütern weiterhin zu Konflikten.

1618: Der Ausbruch des Krieges

Ferdinand von Habsburg, neuer König von Böhmen und künftiger Nachfolger des Kaisers, verfolgt eine katholikenfreundliche Politik, die die Religionsfreiheit der protestantischen Fürsten missachtet. Am 23. Mai 1618 werfen diese, im Prager Schloss versammelt, die Vertreter des Königs aus dem Fenster. Anschließend setzen die böhmischen Stände König Ferdinand ab und ersetzen ihn durch den protestantischen Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz. Damit beginnt der militärische Konflikt: Auf der einen Seite stehen die österreichischen Truppen der Habsburger, auf der anderen die protestantischen Kräfte Böhmens und der Pfalz.

1625: Der Konflikt wird zu einem europäischen Krieg

Nach seinem Sieg in der Schlacht am Weißen Berg (1620) beginnt Ferdinand mit der gewaltsamen Rekatholisierung Böhmens. Diese Politik führt dazu, dass sich der Krieg zunächst auf das übrige Reich und anschließend darüber hinaus ausweitet, als König Christian IV. von Dänemark im Jahr 1625 beschließt, den Protestanten zu Hilfe zu kommen.

Angesichts der militärischen Erfolge des Kaisers greift ab 1629 auch der protestantische König Gustav II. Adolf von Schweden in den Krieg ein. Er will nicht nur seine Glaubensgenossen schützen, sondern auch die schwedische Herrschaft im Ostseeraum ausweiten.

Das katholische Frankreich unterstützt Schweden zunächst finanziell. Im Jahr 1635 tritt es schließlich selbst in den Krieg ein – nicht aus religiösen Gründen, sondern weil es sich von der Macht der Habsburger bedroht sieht, die sowohl über das Heilige Römische Reich als auch über Spanien herrschen.

Die Erschöpfung der Kriegsparteien ebnet den Weg für Verhandlungen

Der lang andauernde Krieg fordert einen hohen Preis: Er erschöpft die militärischen Kräfte ebenso wie die finanziellen Ressourcen. Die deutschen Territorien werden verwüstet. Sie leiden unter Plünderungen und Zerstörungen durch Heere, die größtenteils aus Söldnern bestehen und sich durch Raub von Geld und Lebensmitteln aus der Bevölkerung versorgen. Der Krieg geht mit Fluchtbewegungen, Hungersnöten, Krankheiten und Seuchen einher. Zwischen Beginn und Ende des Krieges schrumpft die Bevölkerung Mitteleuropas um rund 30 Prozent; in einigen Regionen betragen die Verluste sogar bis zu 65 Prozent.

1644 beginnen Friedensverhandlungen, die sich jedoch als schwierig erweisen. Die Gesandten des Kaisers verhandeln einerseits in Münster mit den katholischen Fürsten und Frankreich, andererseits in Osnabrück mit den protestantischen Fürsten und Schweden. Vier Jahre später gelingt es den Kriegsparteien, zwei Friedensverträge zu unterzeichnen, die im Oktober 1648 in Kraft treten.

1648: Die Westfälischen Friedensverträge

Nach einem langen und besonders verheerenden Krieg wird der Frieden überall gefeiert.

Ziel der Verhandlungen ist es, einen dauerhaften Frieden zu schaffen, indem die beiden zentralen Ursachen des Krieges gelöst werden:

  • Die religiösen Konflikte: Die Verträge schaffen eine stabile Religionsordnung. Sie erkennen den Calvinismus als dritte im Reich gleichberechtigte Konfession neben dem Katholizismus und dem Luthertum an und ermöglichen das Zusammenleben verschiedener Konfessionen innerhalb der einzelnen Territorien.
  • Die politischen Rivalitäten: Die Verträge ordnen die Verfassung des Heiligen Römischen Reiches neu. Die Macht des Kaisers wird eingeschränkt, während die einzelnen Reichsstände das Recht erhalten, ihre Angelegenheiten selbstständig zu regeln und Bündnisse zu schließen. Frankreich und Schweden werden zu Garanten des Friedens und der Rechte der Reichsfürsten.

Die Westfälischen Friedensverträge beenden jedoch nicht alle bewaffneten Auseinandersetzungen, da der Krieg zwischen Frankreich und Spanien bis 1659 andauert. Dennoch stellen sie einen bedeutenden Erfolg der Diplomatie dar. Indem alle beteiligten Staaten in die Verhandlungen einbezogen werden, entsteht eine neue Form des politischen Gleichgewichts – innerhalb des Heiligen Römischen Reiches ebenso wie in Europa insgesamt. Das westfälische System soll Europa künftig vor jedem Versuch einer hegemonialen Vorherrschaft schützen.

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