Eine frühe Berufung
Sarthou wird am 15. Januar 1911 in Bayonne geboren. Als Kriegswaise wird er von seiner Mutter und seinem Großvater, dem Eisenbahningenieur Alfred Fontaine, in Montpellier großgezogen.
1927 tritt er in die Kunstakademie von Montpellier ein unter der Bedingung, Architektur zu studieren. Nach einem Jahr überzeugt er seine Familie, ihn im Malereiatelier studieren zu lassen. Stipendiat der Stadt Montpellier als Mündel der Nation tritt er 1930 in die Kunstakademie von Paris ein.
Er trifft seine zukünftige Ehefrau Yvonne Dora Seo in Lasalle (Gard); ihre Tochter Francine wird 1934 geboren. Er wird als Zeichenlehrer diplomiert und lehrt, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er wird zuerst nach Korsika, nach Bastia versetzt, dann 1937 nach Bordeaux. Von 1939 bis 1941 nimmt er in der Nachrichtenübermittlung am Krieg teil.
1943 wird er Mitglied der Gesellschaft der Unabhängigen von Bordeaux, die regelmäßig Ausstellungen von Pariser Künstlern organisiert (Bissière, Lhote usw.) Der künstlerische Wettstreit erlaubt ihm, seinen Stil zu festigen, der zu Beginn seiner Karriere eher realistisch ist.
1949 entdeckt ihn der Kunstkritiker Jacques Lassaigne, der nach Bordeaux gekommen ist, um die regionale Auswahl für den Preis der jungen Malerei zu treffen, und wählt ihn aus. Im Salon der Unabhängigen in Bordeaux erhält Sarthou den Preis Drouant-David. Eines der Jury-Mitglieder, der Kunsthistoriker Gaston Diehl, lädt ihn nach Paris zum Mai-Salon ein, dessen Begründer er ist. So stellt Sarthou zum ersten Mal in der Hauptstadt aus mit zwei Werken: Stillleben und Offenes Fenster.
Wanderjahre
1950 lässt sich Sarthou in Paris nieder, wo er im Lycée Henri IV zum Zeichenlehrer ernannt wird. Er stellt weiterhin aus und wird bekannter. Sonntags morgens geht er zu den Arènes de Lutéce, wo Jean Paulhan, der gegenüber wohnt, seine Freunde de NRF (Nouvelle Revue Francaise) zum Boules-spielen einlädt: Maurice Toesca, Jérôme Lindon, Yves Berger, Claude Simon, André Bay, Marcel Jouhandeau usw., spannende Momente für den Maler; der damit in das literarische Pariser Milieu eintaucht.
Der Maler Francois Denoyer, den er im Mai-Salon getroffen hat, stellt ihn dem Pariser Händler Marcel Guiot vor. Zwischen Händler und Maler entsteht eine lange freundschaftliche Beziehung: ab 1955 stellt Sarthou seine Werke regelmäßig in der Galerie Guiot aus, der er treu bleibt.
1952 lässt er die baskische Küste und das Bassin d’Arcachon hinter sich zugunsten des Languedoc und der Provence. Er lässt sich in Sète nieder, in Halbzeit mit Paris. Er findet dort das Licht von Südfrankreich und malt Themen wie Pinien im Mistral, Stiere in der Camargue, die Felsen von Les Baux, die Fischerdörfer am See und später Feuerbrünste.
1958 kann er die Lehre aufgeben und sich ganz der Malerei widmen. Er zeigt seine Werke in Gruppenausstellungen und nimmt an vielen Salons teil, insbesondere am Mai-Salon (von 1949 bis 1963) und am Herbstsalon (von 1951 bis 1987)
Eine sensorielle Malerei
Sarthou liebt weder die Konformität noch die akademischen Lehren oder die systematische nicht-bildhafte Darstellung. Er verwirklicht eine „sensorielle Malerei“: er steht am Angelpunkt zwischen der bildlichen Darstellung und der Abstraktion. Wie Pierre Georgel im Vorwort zu der Ausstellung Sarthou im Museum Paul Valéry in Sète 1973 geschrieben hat: „ Er hat vom Werk von (Jacques) Villon das Wesentliche behalten: die lyrische Anschauung der Natur, ausgedrückt in einer farbigen Geometrie, die aus der Orphik und dem Goldenen Schnitt hervorgegangen ist… Picasso sagte:“ man braucht lange, um jung zu werden“.Sarthou hatte das Glück, das Feuer der Jugend zu entdecken oder wiederzufinden in einem Alter, wo andere verkalken. Er hat ihre Spontaneität und Leidenschaft ohne die Unbeholfenheit. Der Instinkt bringt zweifelsohne das Sprudeln hervor, die Einspritzungen, die Streifungen, das Schleimige in der Malerei, die seine Bilder teilweise den schönsten Erfolgen des gestuellen Taschismus ähneln lassen, aber der Instinkt allein würde nicht genügen. Hier kommt die entfernte, intuitive, aber ständige Bezugnahme auf die Natur hinzu.“
1956 fertigt er das Porträt von André Chamson an, dem damaligen Konservator des Petit Palais in Paris, als dieser die Ausstellung „ Die Maler, Zeugen ihrer Zeit“ organisiert.
1962 nimmt Sarthou in Paris im Atelier des Glasermeisters Jacques Simon an der Herstellung von zwei Glasfenstern für die Kirche von Bouchevilliers teil, von denen eines in der Apsis neben einem Fenster von Jacques Villon hängt.
Auf Wunsch des Verlegers Jacques Vialetay illustriert er Lou Biou des Schriftstellers und Stierzüchters Folco de Baroncelli – Javon, das von einer Jury aus Schriftstellern und Verlegern des „ Ständigen Rates der französischen Buch-und Grafikausstellungen“ unter den 50 besten Büchern des Jahres 1963 ausgewählt wurde.
1966 illustriert er „Blicke aufs Meer“ von Paul Valéry (Verlag Vialetay) mit dem Vorwort von dessen Tochter Agathe Rouart-Valéry, das unter den besten Büchern des Jahres 1966 ausgewählt wurde. Auf Wunsch der normannischen Gesellschaft der Bücherfreunde illustriert er 1967 Das trunkene Schiff von Arthur Rimbaud.
1981 illustriert er Maheux‘ Sperber von Jean Carriére (Editions contemporaines = Zeitgenössische Verlage)
1972 dreht Josée Dayan einen Dokumentarfilm für FR3 Toulouse „Sarthou oder der Maler der Elemente“ nach einer Idee von Marc Alyn und Madeleine Attal.
1976 gehört Sarthou zu der französischen Delegation für die Wanderausstellung in Japan „Auswahl des Pariser Herbstsalons, Zeitgenössische Meister – Ausstellung Nika-Kai“. Seine Flugreise inspiriert ihn zu einem neuen Thema, das Packeis.
1977, während der Einweihung des Pompidou-Centers wird eine sein vom Staat erworbenes Werk Die Dünen vorbereitende Tuschzeichnung im Kabinett der Zeichnungen ausgestellt.
Seine Werke sind in zahlreichen Institutionen in Frankreich und im Ausland zu sehen: Museum Toulouse-Lautrec in Albi, Museum Fabre in Montpellier, Museum Paul Valéry in Sète, Museum Réattu in Arles, Fonds national d’art contemporain (Nationalfonds der zeitgenössischen Kunst) in Paris-La Défense, Nationalmuseum für moderne Kunst der Stadt Paris, die französische Nationalbibliothek und ausländische Museen (Nationalmuseum für Geschichte und Kunst in Luxemburg, Museum von Sofia, Museum für Kunst und Geschichte in Genf, Universitätsmuseen von Stanford und Princeton, Kunstmuseum von Cincinnati, usw.)
Sarthou stirbt in Paris m 11. Juni 1999; er Ist auf dem Marinefriedhof von Sète begraben ebenso wie seine Gattin 2002.
Seit seinem Tod sind ihm viele retrospektive Ausstellungen in Frankreich und im Ausland gewidmet.
Verschiedene Freundschaften
Sarthou hat zahlreiche protestantische Freunde: André Chamson, Jean paulhan, Albert Finet, Pastor Gérard Delteil, Gilbert Fourcaud ( der sich im Lazaret von Sète stark engagiert), Andrée Schlegel (Gattin von Jean Vilar)..
Mehrere berühmte Schriftsteller, Museumsdirektoren und Kunstkritiker schreiben ein Vorwort für die Kataloge seiner Ausstellungen oder verfassen Artikel über seine Malerei, insbesondere Lydia Harambourg, Raymond Nacenta, Pierre Cabane, Jean Casou ,Raymond Cogniat, Georges Desmouliez, Frank Elgar, Pierre Georgel, André Parinaud, Waldemar George, Alexander Watt, Jean Devoisins.
1964 sympathisiert er mit dem Fotografen Lucien Clergue, den er in Arles getroffen hat. Sie sind sich nahe durch ein gemeinsames Idealbild der Camargue , und die beiden Paare bleiben Freunde bis zu ihrem Tod. In Arles lernt er Michel Tournier kennen, der mehrere Texte über ihn schreibt, darunter ein Vorwort für die Ausstellung in der Galerie Findley in New York 1974.
Offizielle Anerkennung
1953 erhält er den zweiten Bührle-Preis, ein Jahr später den zweiten Dôme-Preis, der von einer nur aus Malern bestehenden Jury verliehen wird, unter ihnen Jacques Villon, Desnoyer, A. Lhote, Pignon, Singier. 1955 erhält er den Preis der Kritik und 1957 den ersten Preis der Stadt Menton zur Biennale; 1980 ist er Preisträger des ersten Preises der 7.Internationalen Biennale von Mérignac.
1985 wird ihm der Große Preis der Orangerie im Schloss von Versailles überreicht.
1961 lädt der Kunstkritiker Jean-Albert Cartier Sarthou ein, an der Ausstellung „ Zehn französische Maler um Jacques Villon“ im Mittelmeerpalast von Nizza teilzunehmen; zu dieser Gelegenheit schreibt Jean Paulhan einen lobenden Artikel über Sarthou. Diese Ausstellung zieht weiter, insbesondere in das Kunstmuseum von Nancy, nach Tours und Luxemburg.
Schlusswort
Während seiner Karriere hat Sarthou über 1700 Ölgemälde, fast 900 Aquarelle, Guaschgemälde, Tuschzeichnungen, Zeichnungen, Pastellbilder, über 100 Lithographien, illustrierte Bücher ,Teppich-und Glasfenstervorlagen und Wandverzierungen geschaffen.
Jean Paulhan sagte über Sarthou: „Als Mann des Südens muss er ständig mit den Augen blinzeln, um eine Form zu bewahren, die die Sonne fast zerfressen hätte.(…)Sein Bild muss ihm misslingen, um es dann wieder aufzunehmen. Und er muss nochmals scheitern (…) Sarthou arbeitet unerbittlich. Er lässt an einen Moralisten denken. Es findet sich, dass dieser Moralist zum Glück fröhlich ist; und diese kräftigende Unerbittlichkeit, das ist ziemlich ungewöhnlich. Das heißt, dass der Maler zu keiner Zeit seinen Visionen völlig glaubt. Er lässt den Teil des Obskuren offen“.