Robert Pillods (1908-1990)

Robert Pillods ist ein engagierter Künstler, der aus dem Pays de Montbéliard stammt. Neben weltlichen Arbeiten hat er einen ganzen Teil seines Werkes der Bibel gewidmet, die er in Bildern darstellt.

Die Jahre der Ausbildung

Er hat sich durch die Lektüre von zahlreichen Werken der klassischen Kunst gebildet. Von zarter Gesundheit, hat er sich in seiner Jugend oft bei Bauern in Abbévilliers im Doubs aufgehalten, wo er eine Porträtmalerin kennenglernt hat, Elisabeth Vergon, ehemalige Studentin der Kunstakademie. Sie gibt ihm viele Ratschläge, aber sie führt ihn vor allem in das Malermilieu um Montbéliard ein, wo er Paul-Elie Dubois (1886-1949) und besonders Jules-Emile Zingg (1882-1942) begegnet, deren Ratschläge seine ersten Arbeiten begleiten. Nachdem er 1937 den Preis des Landtags des Doubs erhalten hat, verlässt er die Fabrik Peugeot-Frères von Hérimoncourt, wo er seit 1926 Industriezeichner im Methodenbüro war, um eine Karriere als Kunstmaler zu beginnen. Bis in die Jahre um 1950 ist sein Werk hauptsächlich von Jules-Emile Zingg beeinflusst. Seine Malerei ist figurativ und zählt viele Landschaften in Halbfarbe und sanften, zuweilen sogar dunklen Lichteffekten.

Die Disziplin der Zeichnung

Tief getroffen von der Bemerkung eines Kritikers über seine Arbeit: “Sie malen, als hätte Picasso nie existiert“, beginnt er sich während des Krieges dem Zeichnen zu widmen. Die Intensität seiner Arbeit als Zeichner erlaubt ihm, sich in seiner Kunst von der Beeinflussung durch Jules-Emile Zingg zu lösen. Er findet seinen eigenen Stil der sich den Forschungen von eher zeitgenössischen Künstlern annähert.

So erinnert zum Beispiel in einigen Zeichnungen die gerade Linie der im Raum entwickelten Körper an die schematischen Formen des Kreuzwegs der Rosenkranzkapelle (1948-1951) von Matisse in Vence. Das Inkognito der Gesichter ohne jegliches Detail lässt dem Betrachter völlige Freiheit in seiner Einbildungskraft. Gleichzeitig bringt ihn sein Interesse für Cézanne dem Kubismus von Jacques Villon (1875.1963) nahe, eine Ähnlichkeit, die sich in seinen Zeichnungen in den Kompositionsstrukturen widerspiegelt,  die immer mehr den Gesetzen der Geometrie folgen, in der Flächenaufteilung und dem Schematismus der Figuren , die aber dennoch den Zusammenhang der Formen beibehalten.

 

Der Muralismus

Vitraux du temple de Vialas (1)
Glasfenster der evangelischen Kirche von Vialas, Robert Pillods © Pierre-Yves Kirschleger
Vitraux du temple de Vialas (2)
Glasfenster der evangelischen Kirche von Vialas, Robert Pillods © Pierre-Yves Kirschleger
Mural de l’université de Montpellier
Wandbild der Universität von Montpellier, Robert Pillods © Pierre-Yves Kirschleger

1951 lässt er sich als Künstler in Paris nieder. Er zeigt seine Werke im Salon der Unabhängigen , im Herbst-Salon und in mehreren Galerien in Paris, Basel, Casablanca, Barcelona.

Immer auf der Suche nach neuen Ausdrucksmitteln wendet er sich recht schnell einer farbigen Abstraktion zu, die durch die Zersplitterung der Flächen und des Lichts an Kirchenfenster erinnert. Er erhält etwa zehn öffentliche Aufträge im Rahmen von 1% Kunst, was ihm erlaubt, andere Kunstformen auszuprobieren. Zum Beispiel errichtet er 1966 in der Grundschule Crusem in Sant-Avold (Moselle) eine Skulptur aus Betonblöcken. Er widmet sich der Verwirklichung großer architektonischer  Ausschmückungen, indem er verschiedene Techniken anwendet. Die ersten werden für evangelische oder katholische Kirchen in Ostfrankreich entworfen, wie die Glasplatten, die er sich für die evangelische Kirche von Ostheim (Oberrhein) ausdenkt, die von Georges Hirlemann und René Schmidt zwischen 1958 und 1960 wieder aufgebaut wurde. Der letztere, damals Architekt für französische Gebäude in der Lozère, begünstigt den Zugang zu Aufträgen für den Künstler im Languedoc-Roussillon. Robert Pillods baut dort insbesondere eine Glasmauer im protestantischen Gästehaus Lazaret in Sète (Hérault) und die Glasfenster der evangelischen Kirche in Vialas (Lozére) von 1960 bis 1967. In den gleichen Jahren entwirft er für die geisteswissenschaftliche Fakultät in Montpellier zwei große Tafeln, die er als „Harzteppiche  und Glasplatten“ bezeichnet. Er betrachtet sie nicht als „Glasfenster“. In der Tat, damit das Relief und das undurchsichtige Material einen graphischen Sinn bekommen, wird das Glas in einen Rahmen aus Esterharz eingefügt, der von dem Künstler selbst gefertigt wurde. Gleichzeitig sind diese Werke als Skulpturen gedacht, er behandelt die beiden Seiten auf komplementäre, aber unterschiedliche  Art, indem er die Formen und Effekte der Transparenz verändert. Jede rechteckige Tafel (2,5×3,7 Meter) besteht aus neuen Modulen , die mit durchsichtigen Pflastersteinen ausgelegt sind und so eine abstrakte, von Unterteilungen unabhängige Komposition darstellen .

Das biblische Abenteuer

Gleichzeitig geben ihm die Beziehungen, die er in den Nachkriegsjahren zu jungen Pastoren der lutherischen Kirche unterhält, die Gelegenheit, eine bildliche Darstellung des Bibeltextes auszuarbeiten. Um den Pastor René Lovy bildet sich eine Gruppe, die pädagogisch und geistlich forscht. Sie besteht insbesondere aus Jacques Lochard, Daniel Louys, Jacques Lugbull, Daniel Mauer und Maurice Sweeting. Die biblischen und theologischen Diskussionen rund um das Projekt leiten Robert Pillods in seiner Arbeit, die in der Verwirklichung von verfeinerten Zeichnungen mit schlichten Linien mündet. Sein Ziel ist, die Blicke auf sich zu ziehen, um sie ins Herz der Schrift zu führen.

1949 illustriert Robert Pillods das Werk von René Louvy , Sanctuaires motbéliardaises (Heiligtümer in Montbéliard), das in Straßburg im Verlag Oberlin erschienen ist.  Im gleichen Jahr erscheint ein Band von illustrierten veterotestamentarischen Perikopen, herausgegeben von der Gesellschaft der Sonntagsschulen (SED), mit dem Titel Das Volk Gottes.

Nach dem erzielten Erfolg vertreibt Robert Pillods im folgenden Jahr ein persönlicheres Album mit dem Titel Bilder des Alten Testaments  mit einem Vorwort des berühmten Dichters Pierre Emmanuel (1916-1984). Der Künstler hat ihn durch die Vermittlung von Jean Gastambide kennengelernt, einen reformierten Pastor in Neuilly-sur-Seine, einem Freund seiner Ehefrau. Der von der Résistance geprägte Autor schafft eine biblisch genährte Dichtung, die die Widersprüche in der menschlichen Natur hinterfragt. In seinem Vorwort schreibt er:“ Oh, Protestant, der die Bilder zerstört! Sie haben gespürt, dass die Schönheit des Heiligen Buches, die seit 2000 Jahren von der Ästhetik verdeckt worden ist, alle Verzierungen verwarf, mit denen die Kunst sie angeblich schmücken wollte (…)Linien, das ist alles. Als ich Ihr Buch zum ersten Mal sah, habe ich die geistliche Anstrengung verstanden, die es Ihnen auferlegt: es wurde Ihnen von dem Glauben diktiert, der alles verbrennt, was nicht er selbst ist. Kann man von einem Stil des Glaubens sprechen? Ihre Illustrierung der Bibel beweist es (…).Unendliche Höhe, suggeriert von der weißen Seite: eine Perspektive, die zum Himmel strebt, der Himmel, der sich senkrecht auf die Erde stürzt. Vertikale Theologie werden die Wissenschaftler sagen. Vielleicht: aber der Mensch bekommt hier sein Gewicht, Gott vertraut ihm die Sorge für das Firmament an. Der aufrechte Stand ist das Zeichen des göttlichen Willens für den Menschen: alle ihre Bilder bezeugen es, Fragment des Dialogs zwischen dem Menschen und dem Himmel (…)“

Bilder der Evangelien

Le lavement des pieds
Die Fußwaschung, Robert Pillods 1954 © Martine Grenier

1954 erscheint Bilder der Evangelien. Erneut mit einem Vorwort von Pierre Emmanuel versehen, vereinigt das Album 56 Bilder. Über diese Arbeit im Zeitraum von fünf Jahren geschaffen, schreibt Robert Pillods: „Diese Zeichnungen wollen in wenigen Zügen das Wesentliche von einigen biblischen Texten widergeben, deren Inhalt und Bewegung mich berührt haben – und dabei versuche ich, jeglichen abschwächenden Kommentar absichtlich beiseite zu lassen.“

Jede Szene aus den Bildern der Evangelien ist mit handgeschriebenen römischen Ziffern ober auf der Mitte der Seite nummeriert. Unten auf der Seite steht in kursiver Schrift der biblische Vers, der dargestellt ist, mit seiner genauen Belegstelle. Die benutzte Übersetzung ist nicht angeführt. Die Tafeln sind in vier große Etappen aufgeteilt, die von drei handgeschriebenen längeren Texten der Evangelien begleitet sind. Die Tafeln I bis IX behandeln die Zeit, die dem Dienst Jesu vorausgeht. Die Szenen sind den vier Evangelien entlehnt. Alles schließt mit der Bergpredigt, den Seligpreisungen nach dem Matthäusevangelium Matth. 5, 3-8. Die Tafeln XIII bis XXIII betreffen  die Lehren Jesu, die im Vater Unser (XXIV) gipfeln nach Matth. 6,9-13 und die von XXV bis XLII weitergehen bis zum Eintritt in die Passion. Das Essen in Bethanien (Matth.26,7) steht vor dem Abendmahl (XLI), das in der Tradition von Matthäus dargestellt wird , Matth.t 26,26 „ Jesus nahm das Brot, dankte…“ Es ist gefolgt von der Fußwaschung (XLII). Es wird stark und ausdrücklich beharrt auf dem, was es heißt „ an mir teilhaben“ Joh.13,8b, die Kommunion mit Christus. Die Sequenz geht weiter mit dem Moment des Atmens, Meditierens, den Robert Pillods einschiebt, der handgeschriebene Text von Joh. 13,34-35, dem Gebot der Nächstenliebe, das auf die Passion, den Tod und die Auferstehung hinzielt. (Tafeln XLIV –LV). Dieses letzte Ensemble endet mit der Himmelfahrt (LVI), die am Ende des Lukasevangeliums steht (Luk 24,54) und bei Markus (Mk 16,19), die die Zeit der Erscheinungen beendet und die Zeit der Mission eröffnet. Die drei handgeschriebenen Texte, die die Phasen des Lebens Jesu, wie sie die Evangelien erzählen, widerspiegeln, sind eben die Etappen, die einem Verlauf des Glaubens folgen, von der rhythmischen Wiederholung des „Glückselig“, die jede Seligpreisung eröffnet, über die Beziehung zu Gott im Vater Unser bis zum Gipfel, der mit dem Gebot der Nächstenliebe am Ende erreicht wird. In diese Dynamik fügt sich das Essen in Bethanien, das Abendmahl und die Fußwaschung, die als die erklärenden Merkzeichen des Todes und der Auferstehung Jesu, des Herrn, verstanden werden.  So erweist sich dieser Verlauf wie eine Exegese in Bildern; eine Interpretation, die nicht wissenschaftlich ist, sondern persönlich und existentiell,  wo die Episoden vom Künstler ausgewählt und organisiert worden sind. Darin ist „Bilder der Evangelien“ ein echtes Glaubensbekenntnis.

Das Meditieren über den biblischen Text prägt tief die Kunst und die Spiritualität von Robert Pillods. Immer auf der Suche, hat er eine Vorliebe für das Gebet des Vaters des kranken Sohnes, der zu Jesus sagt: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9,24).

Bibliographie

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