Der ökumenische Dialog

Ab Beginn des 20. Jahrhunderts entstehen zahlreiche ökumenische, bilaterale und multilaterale Beziehungen zwischen den christlichen Kirchen.

Von den Spaltungen zum ökumenischen Dialog

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Im Laufe der Jahrhunderte kam es unter den Christen aufgrund theologischer Streitfragen  zu Spaltungen, die häufig von außen zu politischen Zwecken instrumentalisiert wurden. Darüber hinaus führten die Tragödien der Geschichte zu Migrationsbewegungen, aus denen Diasporagemeinschaften hervorgingen, von denen sich einige von ihrer Ursprungskirche lösten. Dies hatte eine Zersplitterung der Christenheit in eine große Zahl von Kirchen zur Folge.

Auch wenn Vielfalt eine Bereicherung ist, können die Spaltungen unter den Christen aus geistlicher Sicht als falsches Zeugnis, ja sogar als Skandal oder Sünde erscheinen.

Die Ökumene

Die Ökumene ist eine Antwort auf diese Herausforderung. Mit diesem Begriff werden sämtliche Bemühungen und Initiativen bezeichnet, die darauf abzielen, den Dialog und die Annäherung zwischen den verschiedenen christlichen Traditionen zu fördern.

Die ökumenische Bewegung beginnt 1910 mit der Weltmissionskonferenz der protestantischen Missionsgesellschaften in Edinburgh und bildet den Auftakt zur Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen 1948 in Amsterdam. Es entstehen ökumenische Beziehungen auf bilateraler und multilateraler Ebene.

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) markiert eine Öffnung seitens der katholischen Kirche. Diese führt zur Aufhebung gegenseitiger Anathemata, zu gemeinsamen Erklärungen mit den anderen christlichen Kirchen, zu gemeinsamen Initiativen sowie zur Verpflichtung, den Dialog fortzusetzen.

Die wichtigsten Daten der Ökumene

Konferenz von Edinburgh, 1910 © COE

Die nachstehende Übersicht vermittelt einen Eindruck von der Vielfalt der ökumenischen Initiativen, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts ergriffen wurden.

1910: Weltmissionskonferenz der protestantischen Missionsgesellschaften in Edinburgh.

1921: Beginn der „Mechelner Gespräche“ („Malines Conversations“), hervorgegangen aus einer gemeinsamen Initiative von Kardinal Désiré Mercier, katholischer Erzbischof von Mecheln-Brüssel, Lord Halifax (anglikanisch) und Pater Fernand Portal (katholisch).

1927: Erste Konferenz der Bewegung „Glaube und Kirchenverfassung“ („Faith and Order“) in Lausanne (Schweiz).

1935: Auf Initiative von Pater Paul Couturier Beginn der Gebetswoche für die Einheit der Christen in Lyon.

1937: Erstes Treffen der Groupe des Dombes zwischen französischsprachigen katholischen und protestantischen Theologen.

1948: Erste Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Amsterdam.

1960: Errichtung des Sekretariats für die Einheit der Christen durch Papst Johannes XXIII.

1964: Begegnung in Jerusalem zwischen Papst Paul VI. und dem orthodoxen Ökumenischen Patriarchen Athenagoras I. von Konstantinopel.

1971: Erste anglikanisch-katholische Vereinbarungen über die Eucharistie.

1975: Veröffentlichung der ökumenischen Bibelübersetzung ins Französische (Traduction œcuménique de la Bible – TOB).

1983: Dokument „Taufe, Eucharistie und Amt“ (das sogenannte Lima-Dokument).

1989: Erste Europäische Ökumenische Versammlung in Basel (Schweiz).

1995: Enzyklika Ut unum sint von Papst Johannes Paul II.

1997: Zweite Europäische Ökumenische Versammlung in Graz (Österreich).

1999: Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre zwischen Lutheranern und Katholiken in Augsburg (Deutschland).

2001: Unterzeichnung der Europäischen Ökumenischen Charta (Charta Oecumenica).

2013: Bericht der lutherisch-katholischen Kommission für die Einheit mit dem Titel „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“.

2016: Am 31. Oktober gemeinsame katholisch-lutherische Gedenkfeier der Reformation im Dom von Lund (Schweden); Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung durch Papst Franziskus und den Präsidenten des Lutherischen Weltbundes, den palästinensischen Bischof Munib Younan.

 

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