Johann Heinrich Füssli (1741-1825)

Füssli ist ein Maler des Bizarren – er ist Schweizer Herkunft, hat aber London als Wahlheimat. Er schöpft seine Inspiration aus  verschiedenen literarischen Quellen, die er mit seiner eigenen Fantasie interpretiert. Füssli  ist allgemein bekannt durch sein berühmtes Werk:“ Der Albtraum“. Füssli ist ein Erfinder mit einer reichen Fantasie, ein Liebhaber der nordischen Mythologie und der Literatur und ein akademisch anerkannter Künstler, der eine solide klassische Bildung besitzt.

Die Anfänge eines Autodidakten

Der Maler im Gespräch mit Johann Jakob Bodmer 1781 © Kunsthaus, Zurich (Suisse)

Füssli ist in Zürich geboren von einem Vater, der Porträts und Landschaften malt; im Collegium Carolinum in Zürich erhält er eine klassische Ausbildung. Johann Caspar Lavater, der spätere Dichter und Theoretiker der Physiognomik wird einer seiner besten Freunde. 1761 wird Füssli als Pastor ordiniert und muss die Schweiz verlassen, weil er in Zusammenarbeit mit J.C. Lavater und Félix Hess ein Pamphlet gegen die Korruption eines Gerichtsvollziehers veröffentlicht hat. In Deutschland entgeht er der Schweizer Gerichtsbarkeit.

Dort trifft er den Botschafter Großbritanniens, der ihm vorschlägt, nach London zu kommen.

Er lässt sich dort 1764 nieder. Er lebt eine Zeit lang von seinem Schreiben: er beginnt eine Übersetzung des Buches von Winckelmann (1717-1798) über den Einfluss der griechischen antiken Kunst, das wenig Erfolg hat. Nach einem Aufenthalt in Paris, wo er Jean-Jacques Rousseau trifft, veröffentlicht er in London ein Buch, das ihm gewidmet ist und findet auch da keine Leserschaft.

1764, kaum in London angekommen, begeistert sich Füssli für das Theater und entdeckt den berühmten Schauspieler und Regisseur David Garrick,  dessen modernes und dramatisches Spiel ihn entzückt.

Der Maler Joshua Reynolda, Präsident der Royal Adademy of Arts, interessiert sich für die Zeichnungen von Füssli und rät ihm, sich der Malerei zu widmen und nach Italien zu fahren. Füssli bleibt dort acht Jahre lang. Er studiert dort die antike Kunst und die Malerei von Tizian, Caravaggio und die Manieristen. Füssli widmet sich dem Studium von Michel Angelo, der eine dauerhafte Wirkung auf seine Kunst ausüben wird. Er ändert seinen Namen von „Füssli“ zu „Fuseli“ von italienischem Klang.

1779 kehrt er nach London zurück, über Zürich, wo er für das Rathaus einen „Grütli-Schwur“ malt, einer der Gründungsmythen der Schweizer Eidgenossenschaft.

Leidenschaftliches Interesse für Michel Angelo und Shakespeare

Gertrud, Hamlet und der Geist seines Vaters 1785,Mamiano di Traversatolo (Parma) © Fondazione Magnani Rocca.

Füssli ist ein Bewunderer von Michel Angelo, ein Freund von Winckelmann und von William Blake (1757-1827) – nach seiner Niederlassung in London schafft er ein Werk voller Wahnvorstellungen, wo die makabren Themen neben dem Märchenspiel bestehen.

Er erhält einen Auftrag des Stadtrats Boydell, der seine „Galerie Shakespeare“ organisiert. Füssli malt zahlreiche Werke für diesen Mäzen, von denen einige in der englischen Ausgabe der Physiognomie von Lavater veröffentlicht werden. Gleichzeitig hilft er dem Dichter William Cowper bei seiner Übersetzung von Homer.

Verliebt ins Theater, besonders in Marlowe und Shakespeare, malt er Bilder von großer Ergriffenheit. Seine Gemälde wie „Lady Macbeth als Schlafwandlerin“ („Macbeth sleepwalking“) 1784 und „Hamlet und der Geist seines Vaters“ von 1793 zeigen seine Faszination für Macbeth, die antiken Mythen, die biblische Bilderwelt, die nordischen Sagen und für die Dichtung von John Milton, besonders sein Verlorenes Paradies, ohne die Frauen zu vergessen, die er mit unwahrscheinlichen Frisuren ausstattet.

Ein anerkannter Künstler

Thor im Kampf mit der Schlange von Midgard, Füssli 1790 © Royal Academy of Arts, Londres

Im Jahre 1788 wird er zum teilnehmenden Mitglied der Royal Academy gewählt und heiratet Sophie Rawlins, eines seiner Modelle. Zwei Jahre später, am 10. Februar 1790 wird Füssli zum Mitglied er Akademie erhoben. Er stellt zu dieser Gelegenheit Thor im Kampf gegen die Schlange von Midgard vor.

Im Jahre 1799 wird Füssli Professor für Malerei in der Royal Academy. Er tritt von diesem Posten vier Jahre später zurück, als er zum Konservator der Akademie ernannt wird. Sein Hauptwerk ist eine Reihe von zwölf Vorträgen in der Royal Academy (1801). 1810 nimmt er seinen Posten als Professor wieder auf, den er bis zu seinem Tod beibehält.

Im Jahre 1817 lässt der italienische Bildhauer Canova (1757-1822) Füssli zum Mitglied der berühmten Académie de Saint-Luc wählen.

Füssli stirbt in einem Vorort von London. Er ruht in der Krypta der Kathedrale Saint Paul.

Sein Werk: Traum und Albtraum

Die Hexe der Nacht beim Besuch der Hexen aus Lappland 1796 © Metropolitan Museum of Art (New York)
Der Traum der Königin Catherine (1781) Füssli © Lytham St Annes Art Collection, GB.

Füssli durchforscht die Traumwelt  von Träumen und Albträumen. Diese phantastische Welt interessiert die romantischen Künstler des 19. Jahrhunderts und fasziniert die Surrealisten. Eine von Hexen, Feen, Zwergen und Dämonen bewohnte Welt.

Füssli hat über zweihundert Bilder gemalt, aber nur wenig ausgestellt. Sein erstes Gemälde,“ Joseph interpretiert die Träume des Bäckers und ders Kellners des Pharao“ ist das erste, das die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Er hat, in ähnlicher Machart, die Hexe der Nacht beim Besuch der Hexen aus Lappland gemalt.

1782 malt er das Bild, das wohl sein berühmtestes bleibt, der Albtraum. Füssli hat mehrere Versionen gemalt: die erste, die gleich nach ihrer Vorstellung in der Royal Academy of Arts in London 1792 einen großen Erfolg verzeichnet hat, wird seit 1950 im Detroit Institute of Arts aufbewahrt.

Dieses Werk, das durch die Gravur weit verbreitet wurde, bringt ihm Bekanntheit und Wohlstand. Von der Kritik begrüßt, ist das Gemälde aber auch Polemiken ausgesetzt.

Diese Faszination für den Traum wird von Füssli in zahlreichen Wiederholungen in Werken von einer großen dramatischen Spannung ausgedrückt. Er entwickelt seine Kunst durch die Darstellung der Frauen, das Phantastische, den Terror und Schrecken und schreibt sich damit in eine neue Ästhetik ein, die schwarze Romantik.

Auf technischem Gebiet ist Füssli ein Meister der velatura, einer Technik, die darin besteht, die Farben und besonders  die weißen Farben –  die undurchsichtigsten Pigmente, die es gibt – fast transparent zu machen. So zum Beispiel die durchsichtigen Gewänder und Schleier in dem Traum der Königin Catherine  (1781).

Sein Werk: Macbeth und die Tragödien von Shakespeare

Macbeth zückt den Dolch, 1780 , Füssli © Londres, Tate Britain

Füssli schafft Werke, die aus einem reichen literarischen Repertoire stammen, von der griechischen Mythologie bis zu nordischen Sagen, von der Bibel bis zu englischem oder deutschem Volksgut , und die häufig Bezug nehmen auf das Werk von Milton und Shakespeare., die er reichlich zitiert. Füssli hat etwa acht hundert Skizzen oder Zeichnungen von origineller Ausführung entworfen.

Von den Personen bei Shakespeare bis zu den Darstellungen von Träumen und Erscheinungen entwickelt Füssli eine neue Ästhetik. Er entwickelt in seiner Malerei eine dramatische Traumsprache wo Wunderbares und Phantastisches, Sublimes und Groteskes nebeneinander bestehen.

Bibliographie

  • Bücher

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