Die Versammlungen der Wüste finden an geheim gehaltenen Orten statt – in Höhlen, auf Waldlichtungen oder an anderen abgelegenen Plätzen.
Ab 1685 werden sie von Prädikanten geleitet, also Laienpredigern, die ihre Predigten selbst verfassen. Einer nach dem anderen werden sie verhaftet, gehängt oder lebendig gerädert.
Nach 1698 ergreift die „Inspiration“ einfache Bauern und Handwerker und macht sie zu Propheten. Die vom Staat ausgeübte Verfolgung verfestigt sich und wird nach und nach unerträglich: Galeerenstrafe, Hinrichtungen und Gefängnis. Einer der bekanntesten Haftorte in unserer Region ist der Tour de Constance in Aigues-Mortes.
Geldstrafen, Steuern und die Einquartierung von Truppen haben die Gemeinden ausgezehrt und die wohlhabenden Bürger ruiniert. Bâville, der Intendant des Languedoc, außerordentlich hart und unbeugsam, glaubt, dem Protestantismus die letzten Schläge versetzen zu können. Doch die Wut wächst: Die Verschärfung der Verfolgung macht den Prophetismus zunehmend kämpferisch gegenüber der römischen Kirche und schafft ein Klima äußerster Erbitterung. Die Protestanten suchen nach einem Ausweg – der bewaffnete Aufstand ist ein Akt der Verzweiflung.