Vor dem Bau der Kirche
Die Reformation etablierte sich in Lyon innerhalb der von Peter Valdo (1140-1217) gegründeten Waldensergemeinschaft.
Die Reformierten benutzten zunächst die katholische Kirche Sainte-Croix, wo sie Bänke im Kreis aufstellten und an der Tür die Gebote Gottes und das Wappen des Königs anbrachten.
1563 fand die Nationalsynode der reformierten Kirchen in Lyon statt. Bereits 1564 wurde ein Gebäude- und Grundstückskomplex gekauft, der als protestantische Kirche ausgebaut werden sollte. Das Gebäude, das den Namen „Paradies-Tempel“ trägt, wurde innerhalb von sechs Monaten errichtet.
Der Name „Paradies“ soll von den Reformierten selbst stammen, „weil [der Raum] innen von Galerien in Form von vorspringenden Balkonen umgeben war, von denen sie sagten, dass sie einem Paradies ähnelten“ (Almanach von Lyon, 1743).
Die älteste Darstellung einer protestantischen Kirche
Das Gemälde „Temple de Lyon nommé Paradis“ (die sogenannte Paradieskirche von Lyon), das derzeit im Musée International de la Réforme in Genf ausgestellt ist, wird Jean Perrissin (um 1565) zugeschrieben. Der nach Genf geflüchtete Künstler aus Lyon ist vor allem für eine Serie von Radierungen bekannt, die er zusammen mit Jacques Tortorel anfertigte.
Hier ist der Beginn eines Gottesdienstes zu sehen: es handelt sich wahrscheinlich um eine Taufe oder eine Hochzeitsfeier.
Auf dem Gemälde kann man einige Merkmale der damaligen Kirchengemeinschaft erkennen: Bequeme Bänke für vornehme Personen zeugen von einer sozialen Hierarchie und die etwa 50 anwesenden Gläubigen veranschaulichen die Vielfalt in der Gemeinde. Es gibt Männer mit Schwertern, getrennt sitzende Frauen und Kinder. Eine Sanduhr sollte die Beredsamkeit des Predigers beschränken. Die Abbildung eines Hundes ist häufig auf protestantischen Stichen zu finden: Er symbolisiert die Treue, aber vielleicht auch die Entweihung der Kirchen nach protestantischem Verständnis.
Protestantische Architektur
Das Gebäude hat einen zentrierten Grundriss mit drei zweiläufigen Treppen, die zu den inneren Tribünen mit umlaufenden Galerien führen. Der große Saal wird von einem runden, nach oben spitz zulaufenden Dach abgeschlossen.
Die Kanzel des Pastors nimmt die Mitte des Gebäudes ein: Rundherum sind Bänke angeordnet, um das Zuhören zu erleichtern. Im Obergeschoss ist die Tribüne durch Oberlichter gut beleuchtet. Die Innendekoration an den Wänden der oberen Galerie zeigt Kartuschen mit den Wappen des Königs und der Stadt.
Die Anordnung des Gebäudes lässt den Zweck des zentrierten Grundrisses erkennen, der den Geistlichen und die Gemeinde wie in einem Theater in eine sehr enge Beziehung zueinander bringt.
Die Kirche konnte jedoch nur kurz genutzt werden: Bereits 1567 wurde sie am Vorabend des zweiten Religionskriegs zerstört. Die Straße, in der er sich befand, behielt den Namen „Paradis“ bei.
Weitere Informationen über die Kirche (temple.free.fr) :
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