Eric Liddell: Missionar und Olympiasieger

Unter den berühmtesten Missionaren des letzten Jahrhunderts hat sich Eric Liddell, mit dem Spitznamen „der fliegende Schotte“ oder „der fliegende Pastor“ durch seine außergewöhnlichen sportlichen Leistungen hervorgetan, sei es im Rugby oder in der Leichtathletik.

Es ist eine britische Besonderheit, dass ihre berühmtesten Persönlichkeiten sich oft durch bemerkenswerte Eigenschaften auf einem anderen Gebiet auszeichnen. So hat sich auch unter den berühmtesten britischen Missionaren des letzten Jahrhunderts Erich Liddell (16. Januar 1902 – 21. Februar 1945) mit dem Spitznamen „der fliegende Schotte“ oder „der fliegende Pastor“ durch seine außergewöhnlichen sportlichen Leistungen hervorgetan.

Eric Liddell ist in China geboren, in Tianjin, Tientsin auf Französisch, im Nordosten Chinas, 100 km entfernt von Peking, wo sein Vater, Reverend James Dunlop Liddlle als Missionar der London Missionary Society wirkt. Gemäß der britischen Tradition verlässt er seine Eltern mit fünf Jahren, um nach England zurückzukehren und sich in das Eltham College bei London einzuschreiben. Danach begibt er sich nach Schottland, um an der Universität von Edinburgh  wieder mit seinem Bruder zusammenzukommen; dort studiert er Naturwissenschaften.

Der Rugbyspieler

Schon im College zeichnet er sich durch seine sportlichen Fähigkeiten aus und wird schnell zum Kapitän der Cricket und  besonders der Rugby 15 Mannschaft auserwählt. Auf der Universität verfolgt er weiterhin seine Leidenschaft für das Rugby, wo er auf dem Posten Dreiviertelflügel spielt.

Das führt dazu, dass er sieben Mal für die schottische Mannschaft auserwählt wird, wo er 1922 auf Frankreich trifft, 1922 und 1923 das Fünfländerturnier bestreitet und am 17. März 1923 seine Karriere gegen die Mannschaft von England besiegelt.

Der Athlet

Eric Liddell lors des Jeux olympiques de 1924
Eric Liddell bei den Olympischen Spielen 1924 © Wikipédia

Gleichzeitig erweist er sich als außergewöhnlicher Läufer, Spezialist der 110 Yards und der 220 Yards. Zur Zeit der Olympischen Spiele  ereignet sich das Vorkommnis, das ihn berühmt machen wird.

Als unbestrittener Spezialist des 100 Meterlaufs, erfährt er, dass die ersten Serien der Olympischen Spiele in dieser Disziplin am 6. Juli 1924 in Paris stattfinden werden, das heißt an einem Sonntag, ein großes Hindernis für diesen frommen Christen. Er verzichtet auf den Lauf und überlässt den Platz seinem Rivalen, dem Engländer Harold Abrahams, der über die Distanz gewinnt.

Er konzentriert also sein Training auf 200 und 400 Meter mit außergewöhnlichen Ergebnissen, wenn man die Kürze seiner Umkehrung bedenkt. Über 200 Meter erringt er die Bronzemedaille. Im 400 Meterlauf, der traditionell als einer der anspruchvollsten Kämpfe gilt , und obwohl er im Finale auf der Außenbahn, der schlechtesten, läuft, verzeichnet er am 11. Juli 1924 einen Weltrekord mit 47.6 Sekunden, während er niemals unter 49 Sekunden gelaufen war.

Diese Szene wurde in dem Film „Les Chariots de Feu“ ( Die Stunde des Siegers) von Hugh Hudson verewigt, in dem  seine Schwester Jennie mitgespielt hat. Dazu kommt seine heterodoxe Art zu laufen, mit Armen und Beinen in allen Richtungen und dem Kopf nach hinten. Als man ihn fragte, wie er ins Ziel kommen konnte, ohne die Ziellinie zu sehen, hat er geantwortet:“ Der Herr hat mich geleitet.“

Der Christ

Eric Liddell wurde auch sehr früh bekannt als ein bemerkenswerter christlicher Redner, und seit seiner Jugend  predigt er vor allem vor der „Glasgow Students Evangelical Union“.

1925 unterbricht er jedoch seine mehr als vielversprechende sportliche Karriere, um als Missionar nach China zu fahren, wo er in Tianjin, seiner Geburtsstadt eingesetzt wird. Er bleibt dort 18 Jahre lang.

1932 wird er dort zum Pastor ordiniert und heiratet 1934. Der Krieg zwischen China und  Japan findet ihn dort. Es gelingt ihm, seine Frau und seine Kinder nach Kanada zu evakuieren, aber er bleibt vor Ort, um weiter seinen Dienst zu tun.

Er wird nach Shaoshang versetzt, um seinen Bruder im medizinischen Dienst abzulösen, wird gefangen genommen und 1934 im Lager Weixian in der Provinz Shandong interniert. Dort stirbt er 1945 an einem Gehirntumor, der sicher durch die Misshandlungen und eine dürftige Nahrung verschlimmert worden war.

Sein Tod führt in Schottland, wo er sehr populär geblieben war, zu einer großen Erregung. Diese Episode wird 2028 in dem Film  Les Ailes de la Victoire (Die Flügel des Sieges ) wieder aufgenommen , wo er von Joseph Fiennes dargestellt wird.

Dazugehörige Vermerke