Protestantischer Sicherheitsplatz
Im 16. Jahrhundert kam es in dieser Kleinstadt im Süden des Zentralmassivs zu Bruderkämpfen zwischen Protestanten und Katholiken. Castres wurde durch das Edikt von Nantes (1598) zu einem protestantischen Sicherheitsort. Richelieu ließ die Stadtmauern abreißen und Ludwig XIII. beschloss, den Katholizismus in der Stadt wiederherzustellen. Die Kapuziner gründeten hier ein Kloster, das bis ins 18. Jahrhundert sehr aktiv war.
Religionsfreiheit zur Zeit der Revolution
1791 ging das Kapuzinerkloster in Gemeindebesitz über, die Kapelle wurde ihres Mobiliars beraubt und diente als Salpeterlager oder als Futterscheune.
1795 versammelten sich die Protestanten in einer Scheune oder in Privathäusern. Das Gesetz vom 11. Prairialjahr III (30. Mai 1795) gab ihnen jedoch das Recht, bei der Stadtverwaltung einen Raum zu beantragen, der als Kirche genutzt werden konnte. Als den Protestanten die Kapuzinerkapelle zur Verfügung gestellt wurde, nahm die reformierte Gemeinde das Angebot an und wandelte die Kapelle in ein protestantische Kirche um. Dabei wurde das Innengewölbe entfernt und eine flache Decke eingezogen.
Über der Eingangstür sind noch die Insignien des Kapuzinerordens, ein urspünglich franziskanischer „Orden der Minderen Brüder“, zu sehen: zwei verschränkte Arme mit den Stigmata, darüber ein Kreuz, von dem Strahlen ausgehen.
Weitere Teile des Kapuzinerklosters sind im Innenhof des Hotels Armand Guibal erhalten.