Die Edelsteintruhe von Ludwig XIV

Im Jahre 1607 beschließt Heinrich IV., der den Bau der großen Verbindungsgalerie vom Louvre zu den Tuileries befohlen hat, die besten Kunsthandwerker des Königreiches in den unteren Etagen anzusiedeln. Ab 1620 werden Uhrmacher, Maler, französische und ausländische , katholische und protestantische Künstler an diesem einzigartigen Ort empfangen, wo sich besonders die Goldschmiede hervortun: sie schaffen die „Edelsteinsträuße“, von Blattwerk, Blumen und Flechtwerk inspirierte Werke, und entwickeln so das Silbermobiliar, das am Ende der Herrschaft von Ludwig XIV. eingeschmolzen wird, um die Kriege zu finanzieren.

Die protestantischen Goldschmiede im 17. Jahrhundert

Die protestantischen Goldschmiede entwickeln ihre Arbeit aus Treue zum Herrscher, aber auch weil ihre Religion ihnen keine Schaffung von liturgischen Objekten erlaubt. Sie spezialisieren sich in Schmuckwaren und Zierrat. Ihre Werke sind oft anonym geblieben, denn damals waren die „Goldschmiede für Gold“ nicht verpflichtet, ihre Werke zu zeichnen. Heute ist sicher, dass die goldene Truhe, die lange Zeit Anna von Österreich zugeordnet wurde, im Frühjahr 1676 an Ludwig XIV. geliefert wurde, um „alle Schmuckstücke einzuschließen“, das heißt die Edelsteine mit denen die Hofbekleidung des Königs geschmückt war.

Ein unvergleichlicher Künstler

Es ist Jacob Blanck, oder Jacques Blanc , ein unbekannter protestantischer Handwerksgeselle, der in der Goldschmiedearbeit spezialisiert war, der diese Truhe geschaffen hat, wie die Archive beweisen, die die Goldlieferung von Jean Pitan an Jacob Blanck für die Schaffung dieses Werkes bezeugen.

Jacob Blanck, deutscher Herkunft, hat wenig Spuren hinterlassen. Er könnte in Nürnberg oder Augsburg geboren sein, wo einer seiner gleichnamigen Vorfahren 1680 verstorben ist. 1682 wohnt er rue Dauphine, bei der Witwe von Abraham Van de Lent, einem protestantischen Goldschmied, bei dem er neun Jahre lang geblieben ist. 1686 erhält er das königliche Patent als Goldschmiedemeister, nachdem er dem Protestantismus abgeschworen hat.

Ein außergewöhnlicher Gegenstand

Blanck, Jacob, Edelsteintruhe von Ludwig XIV. Früherer Titel: Truhe angeblich von Anna von Österreich © Musée du Louvre

Die Eichentruhe, angeblich die von „Anna von Österreich“ ist von einem durchbrochenen, goldenen Überzug mit hauptsächlich Blumenverzierungen bedeckt. Die Truhe besteht aus fünf goldenen durchbrochenen, ziselierten Flächen mit Verzierungen aus  Akanthusrankenornamenten, die von Rosen, Tulpen, Zinnien, Narzissen, Nelken und Lilien bestreut une bereichert von kleinen Weinstockblättern, Blümchen, Weinranken und Blütenstengeln sind. Alles ist symmetrisch  angeordnet. Die Truhe ruht auf vier Füßen aus massivem Gold in Form von Löwentatzen, die auf kleinen Kieseln stehen; zwei seitliche mit Blattwerk verzierte Griffe erlauben, die Truhe anzuheben.

Es ist eines der seltenen Beispiele für die Pracht der Pariser Goldschmiedekunst im 17. Jahrhundert. Die Blumenverzierung erinnert an die Pariser Goldschmiedewerke der Jahre um 1660, während die großen Blumen Ähnlichkeiten aufweisen mit den Gravierungen des Blumenbuches des Goldschmiedes Francois Lefèbvre, das von Balthazar Montcornet graviert  und im Jahre 1635 in Paris veröffentlicht wurde. Diese Gravierungen enthalten stilisierte Blumenelemente,  im Stil der Goldschmiede Roberday oder Delabarre in den Jahren 1640-1650. Diese Truhe, ein einmaliges Werk seiner Art, ist zugleich beseelt vom Pflanzenstil der Jahre 1625-1635 und dem Blumenstil der Jahre um 1660.

 

Video des Louvre-Museums, Das Stück auf der Bühne, Le coffre d’or dit d’Anne d’Autriche (Youtube)

Video des Louvre-Museums, Das Stück auf der Bühne, Le coffre d’or dit d’Anne d’Autriche (Dailymotion)

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