Vom Juristen zum „Prädikanten“
Claude Brousson wurde in Nîmes geboren und wurde Doktor der Rechtswissenschaften. Als Anwalt war er hauptsächlich mit der Verteidigung der reformierten Kirchen betraut. Im Jahr 1683 versuchte er vergeblich, sich gegen die restriktive Regulierung des reformierten Gottesdienstes und die Zerstörung von Kirchen zu wehren. Also beschloss er, nach Genf und später nach Lausanne zu fliehen. Von dort aus forderte er die Pastoren auf, nach Frankreich zurückzukehren – trotz des Verbots, ihr Amt auszuüben.
Im Jahr 1689 entschied er sich, selbst nach Frankreich zurückzukehren und – dem Verbot trotzend – in den Cevennen und im Bas-Languedoc als „Prädikant“ tätig zu werden.
Dort entfaltete er eine unaufhörliche Aktivität: Er predigte, verbreitete seine Schriften, hauptsächlich Predigten, organisierte nächtliche Versammlungen, unterstützte und strukturierte das Leben der „Kirche unter dem Kreuz“
Ein bewegtes Leben geprägt von Protest, Gewaltlosigkeit und Loyalität
Die Koalition gegen Frankreich, die aus dem Augsburger Bund hervorgegangen war, bestand mehrheitlich aus protestantischen Staaten und wurde durch die Thronbesteigung Wilhelms von Oranien in England noch gestärkt. Daher lastete 1689 auf Frankreich – sowohl im Languedoc als auch in den Cevennen – die Gefahr eines Aufstands der Protestanten.
Brousson mag zwar kurzzeitig die Idee einer Intervention von außen in Erwägung gezogen haben, in der Hoffnung, dass diese Drohung den König zu einer Kompromisslösung veranlassen könnte, doch blieb er seiner Entscheidung für Gewaltlosigkeit treu.
Als Graf Friedrich-Armand von Schomberg, der im Dienste Wilhelms von Oranien stand, an der Spitze der Koalitionsarmeen in Frankreich einmarschierte, weigerten sich die Hugenotten, die Waffen gegen ihren König zu erheben.
Am 31. Dezember 1692 wandte sich Brousson erneut an König Ludwig XIV: „Gott befahl uns, uns im Namen seines Sohnes zu versammeln, und doch verbietet es uns Eure Majestät. Gott will es, und Eure Majestät will es nicht. Wem sollen wir gehorchen? Eure Majestät möge es, wenn es ihr gefällt, selbst beurteilen“.
Die Untergrundkirche, die durch Brousson entstand, konnte sich in Frankreich ein Jahrhundert lang halten
Da Brousson die Gefangennahme drohte (der Intendant Basville setzte ein Kopfgeld von fünfhundert Louis d’or auf ihn aus), reiste er erneut nach Lausanne (1693) und dann nach Holland. Aber er ignorierte die schrecklichen Risiken und ging wieder nach Nordfrankreich, nach Sedan und dann in die Normandie, wo er zahlreiche geheime Versammlungen leitete. Nachdem er im Burgund erkannt und verfolgt wurde, floh er erneut in die Schweiz.
1667 verbrachte er ein Jahr in Holland und machte sich von dort aus, am Tag nach dem Frieden von Ryswick (1667), erneut auf den Weg nach Frankreich.
Er durchquerte die Dauphiné und das Vivarais und begab sich dann in den Béarn. Dort kam es zur Festnahme. Er wurde nach Montpellier gebracht, wo der Intendant Basville seinen Prozess forderte.
Am 4. November 1698 wurde er am Rad hingerichtet.
Seine Werke
- Die Situation der Reformierten in Frankreich (L’état des réformés de France), Den Haag, 1685
- Briefe der französischen Protestanten an alle anderen Protestanten Europas (Lettres des protestants de France à tous les autres protestants de l’Europe), Berlin, 1686
- Das mystische Manna der „Eglise du Désert“ oder Predigten, die in Frankreich in den Wüsten und Höhlen während der Dunkelheit der Nacht und der Bedrängnis in den Jahren 1689-1693 gehalten wurden (La Manne mystique du Désert, ou Sermons prononcés en France dans les déserts et dans les cavernes durant les ténèbres de la nuit et de l’affliction pendant les années 1689-1693), Amsterdam, 1695.
- Briefe und Opuscula (Lettres et opuscules), Utrecht, 1701.
- Begründetes Bekenntnis derer, die in der Wüste predigen (Confession raisonnée de ceux qui prêchent dans le désert), 1695. Dieser Text war 1689 an den König geschickt worden, um die Anschuldigung zu entkräften, Brousson predige den Aufstand.